Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Über das Leben von Heinrich Funke ist nur wenig bekannt. Wo sich heute an der Herrenteichsstraße in Osnabrück der Eingang zu einem Parkhaus befindet, lebte einst Heinrich Funke – bevor er Patient in der Heil- und Pflegeanstalt wurde. Was aus Heinrich Funkes Leben überliefert ist, lässt viele Fragen offen. 1901 kam er in Holsten-Mündrup zur Welt. 1919 – im Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – wurde er aus der Strafanstalt Brock-Westbevern entlassen. Darüber ob die Haft mit Geschehnissen während des Krieges zusammen hing, gibt es keinen Hinweis.

Laut den Meldedaten zog er am 31.03.1919 nach Osnabrück. Zunächst wohnte Heinrich Funke im Haus Lohstraße 21.Dort lebte auch die Magd Franziska Funke – möglicherweise seine Schwester. 1919 kam Heinrich Funke erneut ins Gefängnis – offenbar nach Hamm, von wo aus er 13.04.1922 entlassen wurde und in die Lohstraße zurückkehrte. Am 15.8.1932 zog er in die Herrenteichsstraße 13/14. Nach offiziellen Vermerken war er lediger Arbeiter.

1935 hieß es, Heinrich Funke sei Invalide. Er gab seine Wohnung auf, zog am 27.04.1935 in die Heil-und Pflegeanstalt zum Gertrudenberg – und blieb dort,bis ein anderes Unheil überihn hereinbrach. Am 22.04.1941 war Heinrich Funke einer von vielen, die in einen der Busse steigen mussten, die den Gertrudenberg hinaufgefahren waren. Sie brachten die Patienten nach Eichberg in ein Zwischenlager. Dort standensechs Wochen später wieder Busse vor der Tür – dieses Mal, um die Patienten nach Hadamar zu bringen. Ärzte untersuchten sie, doch ihre Aufgabe war es nicht zu helfen. Sie trugen die offiziellen Todesursachenein. Der Duschraum im Keller entpuppte sich als Gaskammer. Sogenannte „Vergasungsärzte“ öffneten den Hahn und ließen ihre Opfer kurze Zeit später verbrennen. Eines der Opfer dieses Massenmordes war Heinrich Funke

 

Quelle:

[1] http://www.bszw.de [Stand 06.04.2016]

[2] Berger, Eva "Die Würde des Menschen ist unantastbar, Bramsche 1999, Namensliste, S. 277 ff. Böhne, Lisa: "Osnabrücker Schicksale" - bisher unveröffentlichtes Manuskript, Osnabrück 2011. Bestätigt durch die Gedenkstätte Hadamar, NdsLA-STAOS, Einwohnermeldekartei, Häuserkartei

[3] https://geo.osnabrueck.de [Stand 20.01.2021]

Überarbeitet am 20.01.2021

 

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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