Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Ida Baumert geb. Obert ist das vierte von fünf Kindern von Theodor Obert (1842 – 1912) und seiner Frau Berta geb. Flach, Jg. 1854. Sie kommt am 6. November 1888 in Lahr zur Welt und erlernt den Beruf der Modistin, was ungewöhnlich ist für eine Frau in jener Zeit. Ihre Enkeltochter berichtet, sie sei sehr geschickt gewesen in ihrer Berufswahl.
Am 1. Februar 1910 heiratet sie den in Strasbourg geborenen Reichsbahnobersekretär Karl Baumert. Der Familie werden zwei Kinder geboren. Bereits in den ersten Ehejahren sei sie starken Stimmungsschwankungen ausgesetzt gewesen. Die Ursache dafür war aber in ihrer Familie nicht bekannt.
Karl Baumert erhängt sich einen Tag vor Weihnachten des Jahres 1928. In der Todesnachricht, die allgemein auf Handzetteln in Kirchen ausgelegt waren, heißt es: „Zur frommen Erinnerung an meinen lieben, unvergesslichen Gatten, unsern guten treusorgenden Vater, Bruder und Onkel Karl Baumert, geb. 9. Oktober 1884 – gest. 23. Dezember 1928 zu Neuenburg am Rhein. Ein treuer Gatte ist geschieden, der liebe Vater ist nicht mehr; ruhe sanft in Gottes Frieden, der Abschied ward uns doppelt schwer.“
Vermutlich aufgrund der Traumatisierung durch dieses Ereignis und dass Ida Baumert im Alter von 40 Jahren mit ihren beiden Kindern alleine und sich selbst überlassen ist, wird sie in die Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen eingewiesen. Auch sie fällt der Aktion T 4 zum Opfer. Als gute, fleißige Arbeiterin wird Ida Baumert mehrfach von den Anforderungslisten gestrichen. Am 26. November 1940 wird Ida Baumert mit acht weiteren Frauen und neun Männern nach Grafeneck „verlegt“ und anschließend ermordet.
Die Angehörigen erhalten die Nachricht von ihrem Tod von der Vernichtungsanstalt Hartheim bei Linz. In der Bekanntgabe heißt es: „Gedenket im Gebete unserer lieben guten Mutter Ida Baumert geb. Obert, geb. 6. November 1888 in Lahr (Baden), gest. 12. Dezember 1940 in Hartheim(Oberdonau). O Gott, du hast in deinem unerforschlichen Ratschluss unsere liebe Mutter aus diesem Leben abberufen, wir bitten dich, deiner und ihrer Kinder und schenke ihr das ewige Leben. 

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

Karte

Denkmal

Stolpersteine

In's Gesicht sehen

Aufarbeitung

Unterstützer

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok