Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Irmgard Burger wurde am 22.04.1898 in Berlin geboren. Ihr Vater war Arzt. Sie hatte eine schöne Kindheit in Berlin und am Bodensee. Einige Jahre verbrachte Irmgard in einem Internat in Südengland. Nach ihrer Rückkehr aus England lebte sie bei den Eltern in München. Sie verliebte sich in ihren Lehrer, den Altphilologen Franz Burger. Am 22. Juli 1916 heirateten die beiden. Aus der Ehe gingen zwei Töchter, Marzella und Melitta.

Nach der Geburt der zweiten Tochter Melitta litt Irmgard unter Schizophrenie und kam 1922 in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar. 1933 starb ihr Ehemann an Multipler Sklerose. Die Haushälterin Anna kümmert sich nach dem Tod des Ehemannes um die kranke Mutter, nimmt sie zu sich. Die Mädchen lebten im Internat bzw. im Studentenwohnheim. 1944 wird Anna ausgebombt und Irmgard Burger muss in die Anstalt nach Haar. Der dortige Anstaltsleiter Hermann Pfannmüller ist ein glühender Nationalsozialist, er steht voll hinter den geheimen Tötungsprogrammen an Kranken, der NS-Euthanasie.

Die Tochter Melitta Burger ist mittlerweile bei der Reichswehr in Potsdam als Funkerin. Sie fährt nach München und besucht die Mutter in Haar. Die Mutter macht einen guten Eindruck, ist gut angezogen, gepflegt, wirkt körperlich gesund. Die Tochter fährt zurück nach Potsdam. Dass die Mutter in Lebensgefahr ist, ahnte sie nicht. Aber anhand der erhaltenen Gewichtslisten ist eindeutig: Die Mutter wurde im Herbst 1944 ausgehungert. Sie war 1,60 groß und wog am Schluss noch 30 Kilo. Dann starb sie.

 

Quellen:

[1] https://www.sueddeutsche.de [Stand 06.02.2019]

[2] https://www.muenchen.de [Stand 06.02.2019]

[3] Archiv des Bezirks Oberbayern München, Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar, Patientenakten Nr. 6478.

[4] Zeitzeugeninterview von Sibylle von Tiedemann mit Melitta Burger, 6.5. 2016. Das Interview fand im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen der AG „Psychiatrie und Fürsorge im Nationalsozialismus in München“ und dem NS-Dokumentationszentrum München statt und ist im NS-Dokumentationszentrum München archiviert.

[5] Gedenkbuch für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München und dem Bezirk Oberbayern durch Michael von Cranach, Annette Eberle, Gerrit Hohendorf und Sibylle von Tiedemann, Göttingen 2018, S. 205; 323-328.

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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