Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Pfifferling Josefgeboren am 11.07.1870 in Datterode – wohnhaft Datterode
Josef war Patient der Landesheilanstalt Haina. Er wurde (auf Basis des Schnellbrieferlasses des Reichsministers des Innern, Abteilung IV, vom 30. August 1940) mit 12 weiteren jüdischen Patienten aus Haina am 25. September 1940 in das Anstalts-Sammellager der Gießener Heil- und Pflegeanstalt verlegt. Dort wurden 126 jüdische Patientinnen und Patienten zuvor definierter Anstalten zusammengefasst. Die älteste Patientin war 79 Jahre alt, die jüngsten waren zwei Jugendliche im Alter von 14 bzw. 15 Jahren. Nach fünf Tagen und fünf Nächten unter erbärmlichen Umständen werden die Patientinnen und Patienten am 1. Oktober 1940 in die Stadt Brandenburg bei Berlin verlegt. Dort befand sich ein "Euthanasie"-Mordzentrum im "alten Zuchthaus", in dessen Erdgeschoss ein Vergasungsraum ("Baderaum") von 15 Quadratmetern zur Aufnahme von jeweils 20 Menscheneingebaut war (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/NS-T%C3%B6tungsanstalt_Brandenburg). Alle 126 jüdischen Patienten aus dem Sammellager Gießen werden dort noch am selben Tag ermordet.
Unter dem Vorwand, vor Verlegung in einen anderen Bau und zur Bekämpfung von Ungeziefer noch zu baden, mussten sich die Patienten ausziehen, wurden von Ärzten oberflächlich untersucht und mit einem Nummernstempel auf der Haut versehen. War die vorgesehen Personenzahl im mit Brausen an der Decke versehenen "Baderaum", wurde die Tür geschlossen und das Gas eingeleitet. Nach 15-20 Minuten und einem Blick durch den Spion, dass sämtliche Personen nicht mehr am Leben waren, wurden die Leichen von SS-Männern geborgen, nicht, ohne ihnen die aufgrund der "ärztlichen Untersuchung" und Nummerierung zuvor festgestellten Goldzähne zu entfernen. Die Leichen wurden sodann nachts in einem ehemaligen Postwagen zu den Verbrennungsöfen eines umzäunten Gebäudes etwa fünf Kilometer außerhalb der Stadt verbracht und verbrannt.

 

Quellen:

[1] Informationen zur Verfügung gestellt von Thomas Beck vom Heimatverein Datterode e.V. [Stand 28.05.2019]

[2] Informationen in dankbarer Erinnerung von Frau Monica Kingreen (1952 - 2017), Frankfurt/Main; Auszüge aus dem Aufsatz von Monica Kingreen: "Jüdische Patienten in der Gießener Anstalt und deren Funktion als "Sammelanstalt" im September 1940" , in: Uta George u. a. (Hrsg.): Psychiatrie in Gießen. Facetten ihrer Geschichte zwischen Fürsorge und Ausgrenzung, Forschung und Heilung, Historische Schriftenreihe des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Quellen und Studien, Band 9, Gießen 2003 - S. 251-289, hier S. 271, 276

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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