Manfred Röglin wurde am 23. August 1941 im Krankenhaus Neukölln als jüngstes von insgesamt fünf Kindern geboren. Sein Vater arbeitete bis zum Eintritt in die Wehrmacht als Wäschefahrer. Die Mutter war nach der Volksschulausbildung bis zur Heirat in einer Metallfabrik beschäftigt gewesen. Zwei Schwestern Manfreds verstarben noch im Kindesalter, Inge, geboren 1932, an einem Nierensarkom im Jahr 1942 und Gerda, geboren 1933, an Abzehrung (Mangelernährung) im Jahr 1934. Laut Krankengeschichte litt Gerda an Krämpfen „wohl cerebralen Ursprungs“.
Während Manfreds Geburt kam es zu Komplikationen. Dem geburtshilflichen Krankenblatt kann als Diagnose zusammenfassend eine spastische Tetraparese in Folge eines geburtsbedingten Hirnschadens mit nachfolgenden Anfallsleiden entnommen werden. Das Anfallsleiden könnte, wie es weiterhin heißt, erblich bedingt sein, da die Familie mütterlicherseits einschlägig durch den Bruder belastet war.

Auf Grund häufig auftretender Krämpfe wurde Manfred am 29. August 1941 in das Kinderkrankenhaus, Säuglings- und Mütterheim Neukölln verlegt. Dort wurde neben der Behandlung des Anfallsleidens eine schwere Bronchopneumonie (Lungenentzündung) behandelt und ausgeheilt. Im November d.J. wurde Manfred in die elterliche Wohnung entlassen.
Aus dem späteren Aufnahmebericht der Kinderfachabteilung der Städtischen Nervenklinik für Kinder „Wiesengrund“ wird ersichtlich, dass die häusliche Versorgung des behinderten Kindes nicht problemlos verlief. An einer Stelle wurde von der Mutter berichtet, dass Manfred fast ständig unter Anfällen litt, die tags sowie nachts bis zu 10 Mal hintereinander auftraten: „…sie könne es nicht so genau sagen, weil sie ihm nur das Essen gebe und dann stehen lasse.“
Mit Schreiben vom 13. Oktober 1942 wurde vom „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“ die Aufnahme Manfreds in die Kinderfachabteilung der Nervenklinik „Wiesengrund“ als Unterbringungsmöglichkeit bestimmt. Weiterhin wurde erklärt, dass der „Reichsausschuss“ sich zur Hälfte an den zu erwartenden Pflegekosten für die Zeit von 5 Monaten beteiligen würde. Am 16. Oktober 1942 wurde Manfred dort aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war er von den Gutachtern des „Reichsausschusses“ bereits als nicht entwicklungsfähig, geistig minderwertig und als „lebensunwertes Leben“ beurteilt worden.
Vier Wochen nach seiner Aufnahme wurde Manfred mit abgetöteten Tbc–Bakterien geimpft. Im Anschluss daran kann dem Pflegebericht eine starke Unruhe entnommen werden. Weiterhin bildeten sich bei ihm Eiterabszesse, die Lymphknoten schwollen an und die Körpertemperatur erhöhte sich. Über Tage erhielt Manfred wegen der Unruhe ein Schlafmittel. An einer Stelle des Berichtes ist vermerkt: „Abszess aufgegangen, eine ganze Eiterschale von Eiter herausgekommen.“ Auf Grund dieser Situation muss er erhebliche Schmerzen gehabt haben, die die Unruhe erklärten. Nach der Impfung verschlechterte sich sein Zustand erheblich, zumal er kaum noch Nahrung zu sich nahm. Am 27. Februar 1943 starb Manfred Röglin um 13:30 Uhr angeblich an einer Kreislaufschwäche.

 

Biografie erarbeitet von Ulrike Dierßen

Quelle:

[1] https://www.gedenkort-t4.eu/de/biografien/23-08-1941-27-02-1943-manfred-roeglin-berlin [Stand 30.09.2015]