Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Anna Dorothea van Klaeden war mit dem jüdischen Arzt Heinrich Brieger verheiratet und war Mutter eines gemeinsamen Sohnes.

Heinrich Brieger wanderte, mit seinen vier Kindern aus erster Ehe, 1938 nach Amerika aus, seine Ehefrau erhielt keine Einreiseerlaubnis.

1939 wurde Anna Brieger von ihren Geschwistern wegen „Allgemeiner Unruhe, wirren Reden und einer negativen Haltung“ in das Sanatorium Westend in Berlin-Charlottenburg eingeliefert.

Im Sommer 1940 wurde Anna Brieger in die Privatanstalt Tannenfeld in Nöbdenitz (Thüringen) überstellt.

Ihr Ehemann hatte angeregt, seine Frau mittels Elektroschocktherapie gegen Schizophrenie zu behandeln. Da diese Therapie in der Privatanstalt Tannenfeld nicht möglich war wurde Anna Brieger am 9. Mai 1942 in die Universitätsnervenklinik Leipzig verlegt.

Vom 13. Mai 1942 bis zum 21. Juli 1942 wurden 20 Schockbehandlungen vollzogen mit geringem Erfolg. Auf Wunsch der Familie wurden zehn weitere Elektroschock-Versuche unternommen.

Ab dem 11. September 1942 ist ihr Aufenthalt in der Wahrendorffschen Privatklinik in Ilten bei Hannover belegt.

Im Sommer 1943 wurde ein weiterer, erfolgloser Therapieversuch mit dem Krampfmittel Azoman der Firma Boehringer & Sohn unternommen.

Anna Brieger wurde schließlich am 16. November 1944 mit einem Transport von 149 Patienten von Ilten in die Heil- und Pflegeanstalt Irsee verlegt.

Anna Dorothea Britzer (Briegger) wurde dort am 13. Dezember 1944 von der Krankenschwester Pauline Kneißler auf der Station im „Landhaus“ auch „Tobhaus“ oder „Haus für unruhige Frauen“ genannt (Kloster Irsee) mittels überdosierter Medikamente ermordet.

Im Toten-Register der Heil- und Pflegeanstalt Irsee wurde als Todesursache „Hsch“ vermerkt. 

 

Quellen:

[1] Liste der Stolpersteine in Irsee

[2] Namenseintrag im Totenregister der Heil- und Pflegeanstalt Irsee (Quelldokument Magdalene Heuvelmann: Das Irseer Totenbuch – chronologisches Toten-Register der Heil- und Pflegeanstalt Irsee 1849 bis 1950. 1. Auflage. Grizeto Verlag, Irsee 2015, ISBN 978-3-9816678-2-0, S. 314–315 u. 414–415..)

 

Überarbeitet am 06.02.2019

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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