Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Claus Beeck, August 1941Claus Beeck (* 28. Januar 1940 in Bergedorf; † 1944 in Idstein) war ein Opfer der nationalsozialistischen Kinder-Euthanasie. Claus Beecks Mutter, Margareta Ida Herta, geb. Hoffmann, war im Alter von 42 Jahren bei seiner Geburt gestorben. Außer Claus hinterließ sie vier Kinder: ihren sechsjährigen Sohn Hans, den zehn Jahre alten Günther aus einer früheren Beziehung und zwei Kinder aus ihrer ersten Ehe, Walter und Käthe. Ihr ältester Sohn, Walter, war schon selbstständig; er hatte eine Ausbildung als Zimmermann beendet. Die einzige Tochter, Käthe, litt an einem Hirntumor und lebte seit 1935 in den damaligen Alsterdorfer Anstalten. Fünf Wochen nach Claus’ Geburt starb sie, erst siebzehn Jahre alt. Nach dem Tod der Mutter wurde Günther in Waisenpflege gegeben. Offenbar kümmerten sich die Großeltern um Claus und Hans, der in Bergedorf zur Schule ging. 

Claus, der an einem leichten Hydrocephalus litt und in seiner körperlichen und geistigen Entwicklung zurückgeblieben war, wurde im 17. Mai 1941 in die Alsterdorfer Anstalten eingewiesen, weil er mit 16 Monaten noch nicht sitzen und die Füße auch noch nicht richtig aufstellen konnte. Er aß nur Brei, kein Brot. Claus hatte einen leichten Hydrocephalus ("Wasserkopf") und war in seiner geistigen und körperlichen Entwicklung zurückgeblieben. In einem Gutachten von Dr. Hülsemann von der Sozialverwaltung Hamburg, datiert am 6. März 1941, wurde "Imbezillität" diagnostiziert (mittlere geistige Behinderung), vielleicht mit ausgelöst durch den Hydrocephalus, der wiederum die Folge einer Rachitis war. Claus’ Zustand wurde als erbbedingt eingeschätzt. Früher gab es kaum Behandlungsmöglichkeiten für Kinder mit Hydrocephalus. Kinder, die unter dieser Krankheit litten, hatten meist wiederkehrende Kopfschmerzen und waren in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Daher war es sehr anstrengend, sie zu pflegen. Ab Sommer 1939 sollten Säuglinge und Kleinkinder mit einer derartigen Behinderung dem "Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden" in Berlin gemeldet werden, einer Tarnorganisation der "Euthanasie". Claus Beeck wurde nie gemeldet. 

Bevor Claus in den damaligen Alsterdorfer Anstalten aufgenommen wurde, war er bereits mehrmals im Krankenhaus behandelt worden. 1941 wurde er vorübergehend im städtischen Kleinkinderheim am Winterhuder Weg untergebracht. Der Vater, Hans Beeck, war Arbeiter und berufstätig, seine neue Partnerin und die Großeltern konnten ebenso wenig wie er Claus zu Hause pflegen. Das Jugendamt fand für Claus wegen seines "elenden Zustands und seiner Pflegebedürftigkeit" keine geeignete Pflegestelle, weshalb Hans Beeck die Leitung der damaligen Alsterdorfer Anstalten um die Aufnahme von Claus bat. Das Jugendamt übernahm die Kosten für seine Pflege.

Bei seiner Aufnahme in den damaligen Alsterdorfer Anstalten kam Claus - wie fast alle neu aufgenommenen Kinder - zunächst auf die Krankenstation. Dort blieb er jedoch länger als üblich und wurde erst acht Monate später, im Januar 1942, auf eine Pflegeabteilung verlegt. Seine Nahrung bestand aus Milchsuppe, seine Beschäftigung aus dem Spiel mit einer Klapper und Gummigegenständen. Anfang 1942 wog Claus 12 kg, am Ende des Jahres 13 kg. Mit zwei Jahren konnte Claus nur mit Unterstützung gehen und essen, tagsüber blieb er inzwischen trocken. Er wirkte oft eigensinnig, positiv wurde vermerkt, dass er sich zeitweilig mit Spielsachen beschäftigte. Claus machte große Fortschritte, wie aus dem Eintrag in seiner Krankenakte vom 2. März 1943 hervorgeht. Er war gerade drei Jahre alt geworden, als es über ihn hieß: Der "Patient ist ein ruhiges, zufriedenes Kind, das sich allein ganz niedlich beschäftigt. Er ist tagsüber trocken zu halten, kann den Tag über außer Bett sein, läuft gut. Nachts nässt er oft ein. Er spricht einzelne Worte, wird gefüttert, der Appetit ist gut."

Aus einem Eintrag in seiner Krankenakte der Alsterdorfer Anstalten geht also hervor, dass Fortschritte in seiner Entwicklung festzustellen waren. Trotzdem wurde er nach den schweren Bombenangriffen auf Hamburg im Juli/August 1943 (Operation Gomorrha) am 7. August 1943 mit weiteren 127 Männern und Jungen in den Rheingau verbracht und zusammen mit 51 Jungen in die Heilanstalt Kalmenhof in Idstein verbracht. Dort wurde er 1943 oder 1944 ermordet. 


Recherchiert von Laura Krause, Julia Pabla

Quelle:

[1] https://www.stolpersteine-hamburg.de [Stand 21.01.2021]

[2] http://www.hamburger-euthanasie-opfer.de [Stand 21.01.2021]

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Hamburg-Bergedorf[Stand 21.01.2021]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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