Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


von Goerne EberhardEberhard Georg Wilhelm von Goerne wurde am 23. April 1897 in Potsdam als Sohn des späteren Rittergutsbesitzers in Wallbruch bei Machlin im Kreis Deutsch Krone (Pommern) Georg Wilhelm von Goerne (1869-1941) und seiner Frau Frieda Dorothe Auguste Rabe von Pappenheim (1870-1945) geboren. Eberhard von Goerne, der vier Geschwister hatte, entwickelte bereits als Jugendlicher einen unbändigen Wandertrieb. Vom Gymnasium ging Eberhard von Goerne vorzeitig ab, „bekam Privatstunden, kam in ein Pädagogikum, [...] und schließlich mit 21 Jahren zu einem Landwirt. Dort blieb er nicht, sondern fand sich schon nach 3 Wochen wieder zu Hause ein. War dann 2 1/2 Jahre in den Bodelschwingh'schen Anstalten untergebracht und hat sich zwischenhinein immer wieder infolge eines unwiderstehlichen Wandertriebs herumgetrieben, in Deutschland, Österreich und Italien."
Im Jahre 1919 wurde er entmündigt und im Juni 1925 in die Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz auf der Reichenau eingeliefert. Er war auf seiner Wanderschaft in Konstanz aufgegriffen, ins Amtsgefängnis gebracht und vom Bezirksarzt für geistesschwach befunden worden. Am 16. Dezember 1926 flüchtete er aus der Anstalt in Konstanz und wurde am 30. März 1927 wegen groben Unfugs und vermutlich Trunkenheit wieder festgenommen. In der Beurteilung durch den Oberarzt in der Heil- und Pflegeanstalt Konstanz von 1929 heißt es über Eberhard von Goerne weiter:
"Die Beobachtung des Kranken in unserer Anstalt hat ergeben, dass es sich um einen von Haus aus schwach veranlagten Psychopaten handelt, der seinen krankhaften Trieb in die Ferne immer wieder anheim fällt und dem ein Gefühl dafür fehlt, dass ein solches Leben, wie er es immer führte, sobald er sich selbst überlassen war, in grossem Widerspruch steht zu dem, was seiner Ausbildungsmöglichkeit und seinen Aussichten entsprechen würde. Er zeigt hier fast immer ruhige, schüchtern-höfliche äussere Form. Mit ihm warm zu werden ist unmöglich. Von Zeit zu Zeit aber wird er auch einmal kurze Zeit leicht erregt und zwar immer dann, wenn er seine Entlassungswünsche betreibt. ?...? Wenn solche Zeiten vorüber sind, schickt er sich aber wieder ganz ruhig in die hiesige Behandlung, beschäftigt sich regelmässig in geeigneter Weise mit Gartenarbeit und ist leidlich zufrieden."
Im Juni 1940 bekam Wilhelm von Goerne in Wallbruch einen Brief aus der Anstalt in Konstanz, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass die Anstalt aufgelöst und ein Lazarett dort errichtet worden sei. Sein Sohn Eberhard sei nach Mitteldeutschland verlegt worden. Als der Vater seinen Sohn besuchen wollte, teilte man ihm mit, daß das Heim wegen der Bombenangriffe nach Österreich verlegt worden sei. Kurze Zeit erhielt Wilhelm von Goerne die Nachricht, dass Eberhard an einer Mittelohrentzündung gestorben sei und die Sachen, die er bei sich hatte, die Arbeiterwohlfahrt bekommen hat. Auch wurde mitgeteilt, dass man die Urne anfordern könne. Diese wurde im Familiengrab der Familie von Goerne im Park von Wallbruch beigesetzt.
Anhand der Verlegungslisten konnte festgestellt werden, dass Eberhard von Goerne aus der Heil- und Pflegeanstalt Konstanz nach Zwiefalten und von dort am 12. Juni 1940 nach Grafeneck gebracht wurde. Dort ist Eberhard von Goerne irn Alter von 43 Jahren am gleichen Tag vergast und dann im dortigen Krematorium verbrannt worden. 

Quellen:

[1] Gedenkstätte Grafeneck e. V. [Stand 01.02.2019]

[2] https://sites.google.com/site/euthanasiestiftung/ [Stand 01.02.2019]

 

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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