Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Eugen Bucks Ermordung zeigt, wie auch unpolitische Menschen deutscher Abstammung jederzeit zu Opfern der Nazis werden konnten und wie weit eine solche Gewalttat in die Gegenwart reicht.
Eugen Buck (Foto erster von links) wurde am 18. Oktober 1915 als erstes Kind einer Arbeiterfamilie im Stuttgarter Osten geboren. Schon drei Jahre später fiel sein Vater im Ersten Weltkrieg - ein Trauma, dass seine Familie gegen alles Kriegerische einnahm und das sich später auf ähnliche Weise wiederholen sollte. Der gut aussehende Eugen, der sich nach einer Lehre als Metallarbeiter mit Gelegenheitsjobs durchschlug, war vor allem ein Lebemann und begnadeter Tänzer; eine Tanzromanze hatte dann auch die Geburt einer unehelichen Tochter zur Folge. Warum genau Eugen Buck mit den Nazis in Konflikt geriet, ist nicht mehr genau zu sagen. Zwar hatte seine Schwester Erna bereits vor 1933 erkannt: „Hitler bedeutet Krieg”, doch die Familie Buck war nicht besonders politisch. Ernas Verlobter fiel an einem der ersten Kriegstage im September 1939. Ihre Mutter war Hausangestellte bei wohlhabenden Juden und erlebte erschüttert die allmähliche Zerstörung jüdischen Lebens. Unter diesen Umständen entstand in der Familie Buck eine selbstverständliche Opposition zum herrschenden Regime. Eugen hörte illegal BBC auf dem Dachboden, oft wurden er und seine Schwester Erna von Freunden gewarnt, „die Gosch zu halten”. So war auch niemand überrascht, als im Juli 1941 die Gestapo Eugen Buck verhaftete. Unter den Augen der Nachbarschaft wurde er am hellen Tag aus der elterlichen Wohnung in der Libanonstraße abgeführt. Seine Mutter weigerte sich zeitlebens, darüber zu sprechen. Gegenüber seiner Tochter behauptete sie stets, Eugen sei im Krieg gefallen. Erst Ende der 50er Jahre erfuhr seine Tochter, dass ihr Vater KZ-Häftling in Dachau war. Unmittelbar vor ihrer Auswanderung in die USA bekam sie Besuch von einem unbekannten Mann jüdischer Abstammung, der erklärte, seine Familie verdanke ihr Überleben Eugen Buck. Erst im Jahr 2002 konnte dann eine Nichte von Eugen Buck seine genauen Todesumstände klären. Nach einem dreiviertel Jahr im KZ Dachau war Eugen Buck am 16. Januar 1942 mit einem Invalidentransport nach Schloss Hartheim gebracht worden. Solche Transporte wurden den Häftlingen mit der Behauptung schmackhaft gemacht, sie würden in ein Sanatorium verlegt. In Wirklichkeit war Schloss Hartheim, mit Gaskammer, Krematorium und Knochenmühle ausgestattet, eine getarnte Anstalt zur Tötung von Geisteskranken. Nach der Beendigung der Euthanasie wurde Schloss Hartheim zum Vernichtungslager. Wie alle anderen Eingelieferten wurde auch Eugen Buck dort unmittelbar nach dem Eintreffen in einer als Baderaum getarnten Gaskammer ermordet. 

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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