Franziska Berge wurde am 21. September 1871 in Altheim geboren. Sie lebte und arbeitete bis zuletzt in der Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof im Donautal. Der Obere Riedhof wurde 1939 von den Nazis erfasst. Zu dieser Zeit lebten rund 120 Menschen mit geistiger Behinderung oder physischen Krankheiten in der Anstalt. Die Berliner T4-Zentrale hatte Robert Herrschlein, dem Leiter des Oberen Riedhof, 110 Meldebögen zugeschickt.
Ausgefüllt durch den Anstaltsarzt Dr. Vogelsang gingen diese Patientenbeschreibungen wieder zurück nach Berlin, wo sie von speziell ausgesuchten Medizinern begutachtet wurden. Das heißt: Die Mediziner bekamen die Patienten nicht zu Gesicht, über Leben und Tod wurde nach Aktenlage entschieden. Von Berlin aus wurden die Listen dann an die Tötungsanstalt gesandt, wo die Transportlisten zusammengestellt wurden.
Am 23. August 1940 wurden 40 Bewohner des Riedhofes, unter ihnen auch Franziska Berge, nach Grafeneck gebracht und dort vergast. Anschließend wurden die Leichen verbrannt, die Asche verstreut und die Spuren ihres Lebens verwischt. Die Angehörigen der Opfer wurden nur mit einem kurzen Schreiben unter Angabe einer unheilbaren Erkrankung und eines falschen Sterbedatums informiert.
Im Altheimer Totenbuch ist bei Franziska Berge der 2. September 1940 als Todestag angegeben. Wahrscheinlich wurde sie jedoch schon morgen vor genau 75 Jahren umgebracht, am 23. August, dem Tag ihrer Ankunft in Grafeneck. Als Notiz steht noch im Altheimer Totenbuch: „Wurde verbrannt“.
Der Familienname Berge existiert in Altheim heute nicht mehr. Die Familie kam ursprünglich aus Salzstetten und lebte über vier Generationen in Altheim. Das Elternhaus von Franziska Berge war in der Bachstraße. Der Vater hieß Lukas Berge und die Mutter Luise, geb. Wehle. Zwei Schwestern von Franziska Berge waren in Altheim verheiratet. Die letzte geborene Berge starb 1963.