Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Bertha Metzgers kleine Tochter war nach ihrer Aussage leicht geistig und körperlich behindert. Sie war aber doch widerum so gut beieinander, dass sie ihrer Mutter und den nahe bei wohnenden Großeltern, trotz ihres Alters, bei der Haus- und- Feldarbeit mithalf.
Die Leute aus Flacht sagten aber zu ihr:" Dass Du die bei Dir lässt!" Das darf man nicht. Du wirst schon noch sehen. An einem Tag kam ein Spezialarzt, zu der Familie nach Hause, der sich das Mädchen in ein Zimmer des Hauses alleine, da die Mutter nicht dabei sein durfte, zur Untersuchung vornahm. Die Mutter hörte das Kind drinnen schreien, durfte aber nicht zu ihr hinein, weil ihr der Fahrer des "Arztes" den Eintritt ins Zimmer mit Gewalt versperrte. Nach der Untersuchung, in der sie das Kind nackt vorfand, fand sie ihre Tochter völlig verstört in einer Ecke des Zimmers sitzend. Als sie fragte, was der Arzt denn gemacht, bzw. untersucht habe, bekam sie zur Antwort, sie solle "ihr Maul halten" und sich von ihr verabschieden, da er, weil ihre Tochter krank sei, sie mitnehmen müsse, in eine "Spezialklinik"nach Stuttgart.

Als sie sich schnell anschicken wollte, ein paar notwendige Sachen, wie Wäsche, usw. für ihre Tochter zusammen zu packen, zog der "Arzt", mit dem Fahrer zusammen, das Mädchen die Treppe hinunter und ins Auto und so fuhren sie davon, ohne ihr zu sagen, in welche Klinik sie die Kleine bringen würden. Die Mutter war total verzweifelt, aber auch geschockt und hatte nur noch den einen Gedanken, Ihrer Tochter etwas Wäsche zu bringen und sie vor allem wieder zu sehen. So machte sie sich noch am Abend zu Fuß auf den Weg in das ca. 35 km entfernte Stuttgart, wo sie am nächsten Morgen, nach strammem Marsch ankam.

Dort fragte sie sich durch und bekam dann von einem Mann in "Uniform", dem sie in ihrem verzweifelten Fragen, wohl leidtat, die KLINIK gezeigt, wo man "solche" Kinder behandeln würde. Als sie dort ankam, wollte man sie, obwohl man ihr bestätigte, dass ihre Tochter da sei, nicht zu ihr lassen. Da sie aber, da sie sehr resulut war, ein "großes Theater" vor der Tür machte, so dass alle Leute auf der Strasse stehen blieben, kam sie zu ihrer Tochter in ein kleines Zimmer.
Sie fand dort ihre Tochter in einem völlig apatischen Zustand vor, so dass sie auf keinerlei Ansprache oder Liebkosung der Mutter reagierte. Dann kam eine Schwester ins Zimmer, die sie anherrschte, sie solle jetzt endlich gehen, sie sehe doch, dass ihre Tochter sehr krank wäre und jetzt ihre Ruhe bräuchte. Auf ihre Frage, ob sie morgen wieder zu Besuch kommen dürfe, stiess sie die Krankenschwester vor das Krankenzimmer, mit den Worten:" Ja, wenn sie dann noch lebt..!" Verzweifelt ließ sie sich abwimmeln, blieb aber in Stuttgart, wo sie sich, in der Nacht, auf den Strassen aufhielt, um ihre Tochter am nächsten Tag wieder zu besuchen.

Als sie in der Klinik am nächsten Morgen wieder um die Besuchserlaubnis bat, schickte man sie weg, mit dem Bescheid, ihre Tochter sei heute Nacht an einer ansteckenden Krankheit verstorben und sie könne auch ihre tote Tochter nicht mehr sehen, da man sie schon weggebracht habe, um sie einzuäschern. So ging sie nach Hause.

Wenn sie dieses Erleben in Stuttgart, den Leuten aus ihrem Heimatort Flacht erzählen wollte, sagten sie ihr, sie solle "nix darüber schwätza", so sei das halt und sie sei halt ja doch "krank" gewesen.

Quelle:

[1] http://www.stolpersteine-stuttgart.de [Stand 04.04.2016]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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