Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


wurde am 21.Jänner 1887 in Längenfeld in Tirol geboren. Sie wurde im Elternhaus bzw. bei Verwandten erzogen und besuchte die Volksschule in Längenfeld. Sie arbeitete als Dienstmädchen. 1907 heiratete sie Johann Schnöll und zog nach Hallein, wo sie am Schöndorfplatz 93 zu Hause war. Johanna Schnöll gebar sechs Kinder, von denen drei im Säuglings- bzw. Kleinkindalter verstarben. Im November 1930 verstarb Johann Schnöll nach schwerer Krankheit.

Am 17.Februar 1931 wurde Johanna Schnöll erstmals in die Salzburger Heilanstalt für Geistes- und Gemütskranke eingewiesen (ärztliches Zeugnis Dr.Angermayr). Sie kam in Begleitung von Sohn Josef, Aufnahmegrund und anschließende Diagnose: Melancholie. Sie berichtete im Aufnahmegespräch von Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Freudlosigkeit, Selbstmordgedanken. Eine ähnliche Phase habe sie bereits im Alter von 14 Jahren gehabt. Frau Schnöll erholt sich rasch und verlässt gegen Anraten der Ärzte die Anstalt am 15.März 1931, um ihrer Tochter, die ein Kind erwartete, behilflich zu sein.

Nur wenige Monate später, am 31.Mai 1931 wird Johanna Schnöll wieder in der Anstalt vorstellig. Diesmal jedoch erhält sie die Diagnose „Klimakterische Psychose“. Tatsächlich finden sich in der Krankengeschichte vermehrte Hinweise auf psychotische Elemente. Johanna Schnöll verfällt zusehends einem Versündigungswahn, verlässt das Bett monatelang nicht mehr. Sie habe Unheil über ihre Familie gebracht, sei nutzlos und schlecht, aber nicht krank, so die Patientin. Immer wieder verlangte sie nach dem Dechant von Hallein, im Krankenakt findet sich auch ein verzweifelter Brief Theresia von Kennersreuth, mit der flehenden Bitte für sie zu beten. Im Februar 1933 ist in der Krankengeschichte erstmals zu lesen, Johanna Schnöll berichte Stimmen zu hören.

Der nächste Eintrag im September 1933 zeigt plötzlich ein völlig verändertes Bild der Patientin: Johanna Schnöll spricht nicht mehr, ist kataton, wehrt sich gegen Pflegehandlungen, schreit ohne Grund.  Ihr gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich rapide, ab 1934 wird sie über eine Sonde ernährt. Johanna Schnöll scheint nicht mehr mit ihrer Umwelt zu kommunizieren.

Der letzte Eintrag im Krankenakt der Landesheilanstalt stammt vom 17.10.1940.

1941 stirbt Johanna Schnöll in Hartheim.

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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