Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Johanne Ehlers wurde am 02.10.1895 als zweites Kind der Eheleute August und Minna Ehlers in Osnabrück geboren. Die Familie war 1893, kurz nach der Geburt der ersten Tochter, aus einem Dorf bei Halle/Westf. nach Osnabrück gezogen. Der Vater war Müller von Beruf, die ganze Familie evangelisch lutherischer Konfession. In Osnabrück vergrößerte sich die Familie um vier weitere Kinder. Johanne Ehlers wuchs mit drei Schwestern und einem Bruder auf. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges war sie 19 Jahre alt. Am 24.05.1918 ging sie mit 23 Jahren nach Ankum, war aber bereits eine Woche später, am 01.06.1918 wieder in Osnabrück. Die nächste Abmeldung erfolgte am 06.08.1921 nach Holland. Von dort kam sie etwa vier Monate später am 28.11.1921 zurück und war danach kurzzeitig an der Lotterstr. 131 gemeldet.

Die kommenden zwanzig Jahre ihres Lebens sind nicht in den Archiven dokumentiert. Vermutlich war Johanna Ehlers nie verheiratet.

Als Johanne Ehlers laut Aufnahmebuch am 01.04.1941 polizeilich in die Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück eingewiesen wurde, war die "T4 Aktion" in vollem Gange. Dennoch lebte sie etwa eineinhalb Jahre am Gertrudenberg. Ihr Vater war inzwischen verstorben, die Mutter wurde auf dem "Abgangsformular" als Ansprechperson angegeben, als sie am 18. September 1942 mit einem Transport von insgesamt 20 Patientinnen von Osnabrück nach Hildesheim verlegt wurde, wo sie sieben Monate lebte. Im April 1943 wurden von Hildesheim 65 Frauen nach Altscherbitz transportiert, darunter Johanne Ehlers. Sie kamen dort am 13.04.1943 an. Nach etwa sechs Wochen wurde sie nach Pfaffenrode bei Mühlhausen in Thüringen weitertransportiert, wo sie am 08.06.1943 ankam. In der Forschungsliteratur finden sich Hinweise auf eine andauernde Unterernährung in der Anstalt. Am 20.03.1944 hatte ein Dr. Steinmeyer in einem Brief zur Ernährung in Pfaffenrode geschrieben, dass "die Kartoffelration auf 150 g.[!] pro Tag herabgesetzt ist ..." (Klee, S. 443). Am 15.12.1944 starb Johanne Ehlers unter den menschenunwürdigen Bedingungen mit nur 49 Jahren laut Totenschein an Lungenentzündung.

Quelle:

[1] http://service.virtuos.uni-osnabrueck.de [Stand 06.04.2016]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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