Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Karl Strobl wurde am 1. August 1881 geboren. Er besuchte die Volksschule Hallein. Ein besonders guter Schüler war er wohl nicht, denn die erste und zweite Klasse musste er wiederholen. Mit 14 Jahren fing er an in der Zigarrenfabrik Hallein zu arbeiten. Danach wechselte er zur Zellulosefabrik (heutige Firma Schwaighofer-Fiber). 1901 heiratete er seine in München geborene  Frau Maria, das Paar bekam vier Kinder (Karl, Ludwig, Hedwig, Hermine). Maria hatte  eine uneheliche Tochter (Maria) in die Ehe mitgebracht. Karl Strobl wechselte in die Saline, wo er 1932 pensioniert wurde. Wohnhaft war die Familie Strobl im Brandauerhaus in der Wichtlhuberstraße 56, in Hallein.

Am 20.Mai 1934 wurde ihm vom damaligen Amtsarzt Dr. Siegfried v. Angermayer ein Amtsärztliches Zeugnis ausgestellt, in dem eine Überstellung in „die Anstalt“ begründet wurde. Herr Strobl leide unter Verfolgungswahn, so habe er zum Beispiel seiner Frau vorgeworfen ihn zu vergiften. Außerdem habe er die Angewohnheit  in den Misthaufen der Stadt herumzuwühlen.

Seiner Krankengeschichte ist  als Aufnahmegrund „Gemütskrankheit“ zu entnehmen, nach eingehender Untersuchung wird ihm eine Schizophrenie (allerdings mit Fragezeichen) diagnostiziert. Im Rahmen der Erstuntersuchung bittet Herr Strobl, um sofortige Entlassung. Die Erklärungen für sein Verhalten wirken schlüssig. Er erzählt, dass seine Ehe in den letzten 5,6 Jahren „unharmonisch“ war, allerdings durch Verschulden seiner Frau. Dies wird auch von seinem noch lebenden Enkel bestätigt. Karls Ehefrau Maria habe es mit der Treue nicht so genau genommen. Wenn Sie Lust auf Herrenbesuch hatte musste Karl im Holzverschlag im Erdgeschoß nächtigen, während sie in der Wohnung im ersten Stock verblieb.

Nach der Ersterfassung finden sich in Herrn Strobls Krankengeschichte in den folgenden sechs Jahren bis zur Überstellung nach Hartheim lediglich 17 sehr kurze Aktenvermerke. Meist geht es um seinen Arbeitsort, 1937 wird ein „sexueller Übergriff“ notiert, ab 1938 finden sich vermehrt Einträge, die Herrn Strobl als „unbrauchbaren, faulen“ Arbeiter beschreiben.  Hinweise auf eine psychische Erkrankung bzw. die Behandlung derer finden sich eigentlich nicht.

Der letzte Klinikeintrag stammt vom 18.August 1940.

1941 verstarb Karl Strobl im Alter von 60 Jahren in Hartheim.

Seine Frau Maria blieb weiterhin in Hallein, sie verstarb im Alter von 90 Jahren. Ihr Enkel Helmut Strobl, Sohn von Tochter Hedwig, wuchs bei der Großmutter auf. Seinen Vater ereilte übrigens das gleiche Schicksal, wie seinem Großvater: der holländisch-jüdische Geschäftsmann verstarb im KZ Ausschwitz.

Die vielen Nachkommen von Helmut und Maria Strobl sind in ganz Österreich, der Schweiz und in Holland zu Hause. Einzig Enkel Helmut Strobl wohnt mit seiner Familie noch in Hallein/Neualm.

Helmut Strobl erzählt, dass weder über seinen Großvater, noch über seinen Vater in der Familie geredet wurde. In der Sonderausstellung „lebensunwert“ der Laube Hallein hat er gesehen, dass seinem Großvaters eine Fahne gewidmet war, mit Details seines Schicksals hat er sich bisher nie auseinandergesetzt.

Quellen:

[1] Wikipedia [Stand  05.10.2016]

[2] Stolpersteine Hallein, http://stolpersteine-hallein.at [Stand 05.10.2016]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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