Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Mathias ist geboren am 8. November 1890, röm.-katholisch, stammte ursprünglich aus Gunskirchen in Oberösterreich. Er besuchte dort bis zum 12. Lebensjahr die Volksschule und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Brauer. Nach Militärdienst und Fronteinsatz im 1. Weltkrieg von 1912 -19 18 zog er nach Hallein, wo er 1921 seine Frau Franziska heiratete und als Sicherheitswachmann tätig war.

Aufgrund einer fortschreitenden Krankheit musste er jedoch bald seinen Dienst quittieren. Mathias Eicher litt an Progressiver Paralyse, einer syphilitischen Späterkrankung des Gehirns bei der eine  fortschreitende Demenz, Persönlichkeitsveränderungen und Halluzinationen im  Vordergrund der klinischen Symptomatik stehen. Seine Frau wurde vom Bezirksgericht Hallein zu seiner Kuratorin bestellt. Von 1922 bis 1934  war er in Behandlung und Pflege in der Salzburger Landesheilanstalt für Geistes- und Gemütskranke. Die Progressive Paralyse war damals ein häufiges Krankheitsbild in psychiatrischen Anstalten. Mitte der 20er Jahre wurde bei Mathias Eicher eine sogenannte Malariatherapie durchgeführt. Durch Injektion der Erreger der Malaria sollte die Erkrankung durch Fieberschübe geheilt werden. Die Malariatherapie war vor der Antibiotika-Ära die einzige wirksame Therapie bei Progressiver Paralyse. Der österreichische Psychiater Julius Wagner-Jauregg erhielt für seine Arbeiten zur Heilung der progressiven Paralyse mit Hilfe der Malariatherapie im Jahr 1927 den Nobelpreis.

Über die Auswirkungen der Therapie ist im Krankenakt von Mathias Eicher nichts vermerkt. 1934 wurde er von Salzburg in die Versorgungsanstalt Schloss Schernberg bei Schwarzach zur weiteren Pflege entlassen. Im August 1939 erfolgte die Rücktransferierung in die  Salzburger Heilanstalt. Im folgenden Frühjahr sollte er von dort auf Anordnung des Gaufürsorgeverbandes Hallein ins Versorgungshaus Kuchl verlegt werden. Schon nach einem Tag musste Mathias Eicher jedoch nach Salzburg zurückgebracht werden. Der  Gaufürsorgeverband erläuterte das folgendermaßen: „In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag machte er Versuche aus dem Fenster zu springen, sodass das Haus in Alarm geriet, und sich die Oberin des Hauses den Fuß brach. Ein weiteres Verbleiben in der Versorgungsanstalt Kuchl kann daher nicht gerechtfertigt werden.“ Nach zwei Monaten wurde Mathias Eicher wieder nach Schernberg verlegt, wo er am 19. April 1941 laut einem Bericht des Demokratischen Volksblattes vom 08.05.1948 (s.u.) bereits beim Abtransport in die Vernichtungsanstalt Hartheim ums Leben kam. Insgesamt wurden über 120 Pfleglinge aus Schernberg abtransportiert und in Hartheim ermordet.

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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