Resi Samson wird am 29. August 1906 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jakob Hartog und Jenny Salomon geb. Windmüller. Sie hat eine jüngere Schwester Betti und einen noch jüngeren Bruder Hugo. Ihr Vater ist Schlachter zusammen mit seinem Bruder Simon Hartog im Betrieb in der Markstraße 19. Der Vater Jakob Hartog Samson betreibt zusätzlich im Sommer einen Schlachterladen auf Norderney um jüdische Gäste mit koscherem Fleisch zu versorgen. Er stirbt 1934.Resi arbeitet nach dem Besuch der Volksschule im mütterlichen Haushalt und hat später, stets saisonbezogen, viele Haushaltsstellungen in Hotels und Pensionen inne. Auch ist sie 2 Jahre lang einmal in Holland (Farmsum bei Delfzijl). Im Januar 1937 kommt sie zurück, weil sie Heimweh hat und schwanger ist.

1937 erkrankt Resi psychisch und kommt erstmalig in der privaten Heil- und Pflegeanstalt Ilten bei Hannover unter.

Der Direktor der Heilanstalt Langenhagen diagnostiziert am 5. April 1937:
Rosi Samson, jüdischer Konfession, ledig, ist am 18.8.1906 zu Aurich als Tochter des Schlachters Jakob Samson geboren. Patientin wurde am 20. März ds. Jhs. hier aufgenommen mit einem ärztlichen Attest des Dr. Löwenstein, weil sie an einer reaktiven Gemütsdepression und Hemmungszuständen mit Selbstmordgedanken leidet. Sie wurde aus der Anstalt Ilten gebracht, in die sie vor einigen Tagen eingeliefert war. Sie soll im 4. Monat schwanger sein. Nach telephonischer Mitteilung war sie aus Emden zugereist und erkrankte in Hannover. Äußerlich war sie ruhig, abweisend und wortkarg. Sehr häufig versuchte sie sich mit dem Nachtjackenärmel zu erdrosseln. Nach ihren Angaben starb der Vater mit 72 Jahren, die Mutter lebt und ist nervenleidend. Zwei Geschwister sind gesund. […] Sie sei schon als Kind schwermütig gewesen und mit sich selbst unzufrieden, „ich war immer so ein komischer Mensch“. Keine Geschlechtskrankheiten. Nach dem Besuch der Volksschule war sie im mütterlichen Haushalt tätig und hatte später Haushaltsstellungen in Hotels und Pensionen inne. Auch war sie 2 Jahre lang einmal in Holland. Im Januar 1937 kam sie zurück, weil sie Heimweh hatte und schwanger war. Über ihre Schwangerschaft spricht sie sich nicht weiter aus. […] Es besteht eine starke gesichtsmotorische Hemmung. Pat. spricht sehr langsam mit schwerem(?) Minenspiel. Oft antwortet sie überhaupt nicht. Als von dem Selbstmordversuch gesprochen wurde, weinte sie, sonst war sie weiter abweisend und …. Die Auffassung war sonst prompt, die Ausdrucksweise gespannt. Nachträglich gab sie noch an, dass sie schon seit Jahren im Herbst und Frühjahr an Verwirrungszuständen leide. Dieses Zustandsbild besteht auch heute noch. Sie weint, ist bald gehemmt, klammert sich an und macht sich selbst Vorwürfe, sie habe anderen großes Unrecht getan. Die körperlichen Funktionen sind sonst in Ordnung. Körperlicher Befund: Körperlich ist sie eine dunkelhaarige Jüdin in gutem Ernährungszustand und starker Körperbehaarung. Das Gebiß ist gepflegt, der Uterus steht in Nabelhöhe. Die letzte Menstruation soll angeblich November 1936 erfolgt sein. […] Über ihre Schwangerschaft spricht sie sich nicht weiter aus.

Nach ihrer Entlassung kommt Resi nach Aurich zurück. Die häuslichen Probleme spitzen sich wieder zu, so dass ihre Mutter eine Untersuchung bei Dr. Müller veranlasst.

Dr. Müller aus Aurich vermerkt am 17.12.1938::
Frl. Samson ist seit mehreren Wochen geistesgestört, sie ist sehr bösartig und wird handgreiflich. Anstaltsaufnahme ist notwendig. In der Familie mütterlicherseits sind mehrere Familienmitglieder gemütskrank, Resi nach eigenem Bekunden nervenkrank.
Jenny muss am 20.03.1940 nach behördlicher Anweisung Aurich verlassen. Sie zieht nach Hamburg zu einem Verwandten der Samsons aus Norden. Später wohnt sie im Daniel-Wormser-Haus in der Westerstraße 27. Das Daniel Wormser-Haus ist ein Auswandererheim der jüdischen Wohlfahrtspflege. Mittellose osteuropäische Auswanderer, welche auf die Überseefahrt warten, konnten dort unterkommen. Mit Kriegsbeginn wird es ein Judenhaus. 

Als Resi am 28.12.1938 nach Osnabrück abgeholt wird bringt sich anschließend ihr Freund, Nichtjude und Vater ihres noch zu gebärenden Kindes, um.

Am 21.09.1940 wird Resi mit sieben weiteren jüdischen Insassen in Osnabrück von einem grauen Bus der sogen. Gemeinnützigen [!] Transportgesellschaft m.b.H., einem Zweig unterhalb der RAG, abgeholt und zur Heilanstalt Wunstorf gebracht. Am 27.09.1940 wird sie mit 152 weiteren jüdischen Patienten nach Brandenburg weiterbefördert.

Quellen:

[1] https://stolpersteineaurich.wordpress.com [Stand 06.02.2019]

[2] https://stolperstein-geschichten.de/geschichten/resi-samson/ [Stand 06.02.2019]