Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Richard Seufert wurde am 14.8.1917 in Würzburg als viertes Kind von Linus Heppt, Rechtsanwalt, und Maria Katharina Seufert, Tochter eines Mühlenbesitzers aus Obervolkach, geboren. Die sechsköpfige Familie lebt in komfortablen Verhältnissen in ihrem Haus in der Annastraße 9. Linus Heppt wird als ruhiger, ernster Mensch, fleißig, guter Vater beschrieben. Die 1908 geschlossene Ehe war zunächst harmonisch, die drei älteren Kinder erhielten eine gute Ausbildung und waren in ihren Berufen erfolgreich. Richard entwickelte sich normal, bis er mit anderthalb Jahren an einer schweren Grippe mit Fieberkrämpfen erkrankte. Ab da war er behindert, lernte nicht sprechen und wurde später als „nicht bildungsfähig“ klassifiziert. So besuchte er auch nie eine Schule. Mit 4 Jahren machte er eine Lungenentzündung mit Rippenfellentzündung durch, war aber sonst wohl gesund. Die Ehe der Eltern wird 1933 geschieden, die Mutter erhält das Sorgerecht. 1934 verbringt Richard ein Vierteljahr im St. Josefshaus in Gemünden. 1938, also mit 21 Jahren, kommt er aufgrund eines Gutachtens des Bezirksarztes in Würzburg wegen angeblicher „Tätlichkeiten“ in Anstaltspflege. Als Anstalt wurde die Wohltätigkeits- und Pflegeanstalt der Barmherzigen Brüder Reichenbach vorgeschlagen. Beide Eltern kümmerten sich aber wohl weiter um ihn. Besonders die Mutter versuchte Kontakt zu halten. Überliefert ist eine Postkarte an die Pflegeanstalt Regensburg, wohin Richard offensichtlich ohne ihr Wissen am 15.5.1941 verlegt worden war. Darin kündigt sie ihren Besuch für Pfingsten 1941 an, und bittet um eine Unterredung mit der Direktion, was genehmigt wurde. Trotzdem wird ihr Sohn wenige Wochen später „in eine Reichsanstalt“ verlegt. Diese Anstalt ist die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz, wo Richard Seufert am 5.8.1941, kurz vor seinem 24. Geburtstag, in der Gaskammer ermordet wird. 

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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