Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Freund Susette Susette Freund, geb. Liepmannssohn, wurde als Tochter der Eheleute Leonhard (Leo) Liepmannssohn (1840-1915) und Hedwig Pieck (1852-1919) am 4. Juli 1890 in Berlin geboren. Ihr Vater Leo war ein bekannter Musik-Antiquar, der vornehmlich mit seltenen Manuskripten und Autographen der bekanntesten Komponisten handelte und selbst ein versierter Pianist gewesen ist. Susette, ein Einzelkind, begleitete ihren Vater oft auf dessen Reisen auf der Suche nach solchen Antiquitäten.
Susette heiratete am 8. September 1915 in Berlin den Kameramann / Regisseur Karl Freund (1890-1969). Aus dieser Ehe ging eine Tochter Gerda Maria hervor, geboren am 5. November 1916. Karl und Susette ließen sich am 5. Januar 1920 scheiden. Karl Freund siedelte schließlich nach Kalifornien um, um dort seine Filmkarriere fortzusetzen. Susette und Gerda blieben in Berlin und tauchten in die vibrierende Kultur der Weimarer Ära ein. Susette konzentrierte all ihre Energie auf ihre geliebte Tochter Gerda. Die beiden unternahmen viele Reisen in ganz Europa. Susette schickte ihre Tochter Gerda auf die bekannte Waldschule, zur damaligen Zeit eine einzigartige gemischte Schulform in Berlin-Charlottenburg.
Im November 1937 verabschiedete sich Susette von ihrem einzigen Kind, als Tochter Gerda zusammen mit ihrem Vater, Karl Freund, der zugestimmt hatte, seine Tochter mit sich nach Kalifornien zu nehmen, Deutschland verließ. Dieses war das letzte Mal, dass beide sich sahen. Susette kehrte nach Berlin in ihre Wohnung in der Aschaffenburger Straße 23 zurück.
Irgendwann, wahrscheinlich im Jahr 1941, und aus noch nicht bekannten Gründen, wurde Susette gezwungen, nach Berlin-Kreuzberg in die Freiligrathstraße 7 umzuziehen. Es sind nur sehr wenige Details über die Begleitumstände im Zusammenhang mit diesem Umzug bekannt. Auch nicht darüber, was anschließend geschah. Dokumente belegen, dass Susette gegen Ende 1941 oder Anfang 1942 im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert wurde. Nachfolgend wurde sie dort für “arbeitsunfähig” erklärt oder aber schlichtweg “selektiert”, weil sie eine Jüdin war. Auf Basis der damaligen “Rechtsgrundlage” der Aktion 14f13 wurde sie am 12. März 1942 in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Bernburg / Saale verlegt, wo sie in der Gaskammer, die sich in einem extra für diesen Zweck errichteten, separaten Gebäudeflügel befand, ermordet wurde.
Ihre Tochter Gerda, die 1937 aus Deutschland entkommen war, lebt 2014 im Alter von 97 Jahren in Minneapolis (USA).
Eine filmische Dokumentation, die Susette Freunds Leben würdigt, wurde 2014 von Rodney S. Martel, einem ihrer Enkel, der in Minneapolis (USA) lebt, fertiggestellt.
Text: Rodney S. Martel. Recherche und Deutsche Übersetzung: Vera Nagel

Quelle:

[1] Stolpersteine Berlin, https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/stolpersteine/ [Stand: 23.08.2015]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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