Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Ursula Sandgathe wurde  als jüngstes von vier Kindern am 14. Mai 1940 in Oberhausen im Rheinland geboren. Mit einem Jahr traten bei ihr nach schweren Bombenangriffen erstmals Krämpfe auf, die im Laufe der Zeit immer stärker wurden und zu Bewusstlosigkeit führen konnten. Die Familie suchte Schutz vor den Fliegerangriffen und kam nach Hallein, wo sie am Dürrnberg eine kleine Unterkunft fand. Dennoch ging es dem Mädchen immer schlechter. Angstzustände und Anfälle häuften sich, sodass es  ins Landeskrankenhaus Salzburg zur Beobachtung eingewiesen werden musste. Nach ein paar Wochen wurde sie  wegen „Aussichtslosigkeit“ ungeheilt entlassen. Der vom Gaufürsorgeamt eingeschaltete Amtsarzt stellte daraufhin den Antrag auf eine Anstaltsunterbringung, den er folgendermaßen begründete: „Das Kind ist durch seine Zustand für die Familie untragbar, die Eltern leben mit noch drei Kindern in Miete, da sie aus luftgefährdetem Gebiet kommen und nur 6 m² zur Verfügung haben“. (Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv) Am 17.Dezember 1942 wurde das kleine Mädchen vom Krankenhaus Hallein nach Wien „Am Spiegelgrund“ überstellt. Am 23. Dezember 1942 meldete  Dr. Heinrich Gross das Kind an den„Reichsausschuss“ in Berlin. Ursula Sandgathe erkrankte an Lungenentzündung. Am 17. Jänner 1943 war Ursula Sandgathe genau ein Monat in Wien, daher bat die Mutter in einem Brief an die Klinik um Auskunft über den Gesundheitszustand ihrer Tochter.

Dürrnberg , vom 17.01.43

Werte Schwester.

Teil Ihnen nun höflichst mit, dass unsere kleine Ursula zum 17.01.43 schon vier Wochen in Ihrer Klinik ist. Wir  bitten Ihnen recht herzlich, doch bitte so freundlich zu sein und uns eine kleine Mitteilung zu machen,  wie es mit dem Kind steht und ob wirklich noch eine Hoffnung vorhanden ist auf eine Besserung. Wir danken Sie nun recht herzlich imVoraus. Und grüßen Sie ergebens

Familie Sandgathe Georg

Am 20. Februar wurde bei Ursula Sandgathe eine schmerzhafte Enzephalographie vorgenommen. Am 1. März 1943 erging eine „Schlechtmeldung“ an die Eltern. Am 5. März 1943 starb das Kind um die Mittagszeit.  Die Todesmeldung überkreuzte sich mit einem Schreiben der Mutter an die Klinik:

Dürrnberg,  vom 5.3.43

Werter Herr Doktor!
Ihr Schreiben vom 1. März 1943 ist uns zugegangen und haben Kenntnis davon genommen, dass sich der Zustand unseres Kindes Ursula verschlimmert hat. Da ich nun wieder meine eigene Wohnung habe, ist der Wunsch unser aller, das Kind Ursula wieder zurückzuholen. Ich möchte Sie doch nun freundlichst bitten, mir darüber so bald wie möglich Auskunft zu geben.

Mit freundlichen Gruß

Georg Sandgathe

Quellen:

[1] Wikipedia [Stand  05.10.2016]

[2] Stolpersteine Hallein, http://stolpersteine-hallein.at [Stand 05.10.2016]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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