Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Ahrens Erna Marie 1943Geboren:         07.04.1903 Am Mühlenbach in Jehrden (heute Gemeinde Seevetal).
Entmündigt:    1937
Eingewiesen: 1938 Landes-Heil- u.Pflegeanstalt Lüneburg
Überstellt:      1943 Landesheilanstalt Pfafferode Mühlhausen/Thüringen
Ermordet:        27.02.1944 durch Nahrungsentzug sowie pflegerische und medizinische Nichtversorgung

Erna Marie Ahrens wächst zusammen mit ihren Geschwistern in einer kleinen Abbaue auf. Der Vater war Abbauer und Schuster. Zwei ältere Schwestern heiraten und die Brüder finden Beruf und Arbeit. Für Erna hingegen zerschlägt sich zweimal die Aussicht auf eine Ehe. Sie zieht sich aus der dörflichen Gesellschaft zurück und bleibt unverheiratet bei den Eltern. In diese Zeit fällt dann die vom Vater später beschriebene Wesensänderung der Tochter. Nachdem 1935 die Mutter stirbt, verstärken sich die Anzeichen für eine psychische Erkrankung. Ein Landgendarm und der Ortsbauernführer sind der Ansicht, dass Erna in eine Heilanstalt eingewiesen werden müsse. Der Vater solle in ein Altersheim oder zu einem seiner Kinder ziehen. Im Interesse der Volkswirtschaft müsse ihm das Land abgenommen werden. Ein Amtsarzt stellt die Diagnose: Schizophrenie. Erna Ahrens wird am 03.09.1937 entmündigt und in die Landes-Heil und Pflegeanstalt in Lüneburg eingewiesen, wo sie zwangssterilisiert wird. Ein auf der Abbaue verbliebener Bruder kommt am 12.01.1939 ins Konzentrationslager Buchenwald. Von dort wird er am 03.05.1940 als physisch und psychisch gebrochener Mann entlassen. Der Vater fährt regelmäßig mit der Bahn nach Lüneburg, um dort seine Tochter zu besuchen.

 

Am 08.09.1943 wird Erna Ahrens zusammen mit insgesamt 300 Patienten aus der Landes-Heil und Pflegeanstalt Lüneburg in die Landes-Heil und Pflegeanstalt Pfafferode/Mühlhausen verlegt.

 

Heutige Forschungsergebnisse belegen, dass von den 300 Patienten aus Lüneburg 260 in Pfafferode gestorben sind. Der Tod war der einzige Zweck ihrer Verlegung.

 

In Pfafferode wirkt zu dieser Zeit als Klinikleiter der vormals als Selektionsarzt an der „Euthanasieaktion T4“ beteiligte  Dr. Theodor Steinmeyer. Im März 1944 konstatiert dieser schriftlich: „Es ist kaum noch die genügende Ernähung der produktiv arbeitenden Kranken sicherzustellen. Die Mortalität der anderen ist ohnehin phantastisch“.

 

Wenige Tage zuvor, am 27.02.1944, war Erna Marie Ahrens bereits verstorben. Als Todesursache wurde, wie bei vielen Opfern der Handlanger des NS Regimes, eine „Lungenentzündung“ angegeben. Nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen wurden alle in Pfafferode aus anderen Pflegeanstalten eingelieferte Patienten durch Nahrungsentzug und pflegerische und medizinische Nichtversorgung ihrem Schicksal überlassen und damit gezielt in den Tod geschickt.

 

Nach heutiger Erkenntnis ist Erna Ahrens eines der unzähligen Euthanasieopfer des NS-Systems.

Für Erna Marie Ahrens wird voraussichtlich am 3.10. von Herrn Demnig ein Stolperstein verlegt

 

Quelle:

[1] Eingereicht von Dipl.Ing. Knut Hancker

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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