Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Maria Difliff erblickt am 17. August 1890 abends um neun Uhr in Besigheim das Licht der Welt. Sie war das jüngste Kind der Familie Difliff. Davor hatte die Mutter Rosine schon elf Kindern das Leben geschenkt. Leider starben sieben davon schon im Kindesalter.

Der Vater von Maria war der Besigheimer Weingärtner Gottlieb Friedrich Difliff, geboren am 17. März 1847 hier in Besigheim. 1918 in Besigheim gestorben. Auch sein Vater war Weingärtner. Am 01. Februar 1877 heiratete er in Besigheim Rosine Catherine geb. Dahm, aus einer Besigheimer Weingärtnerfamilie stammend.

Wo die große Familie gewohnt hat wissen wir nicht. Im Häuserbuch der Stadt Besigheim findet sich die Familie, bzw. der Vater nicht als Eigentümer eines Hauses.

Auch von Maria wissen wir wenig. Sie wurde in der Besigheimer Stadtkirche getauft und konfirmiert. Sicherlich besuchte sie die Besigheimer Volksschule. Maria hat bei der Firma Bosch in Feuerbach gearbeitet, auch in der Besigheimer Tabakfabrik. 1919 und 1920 finden wir Maria auf einer Liste der Besigheimer Erwerbslosen. Vor ihrer Einweisung in die Heilanstalt Weinsberg wird sie als Heimarbeiterin bei Mattes & Lutz geführt.

Gewohnt hat sie zuerst in der Vorstadt 14. Ihr Bruder Johann Jakob war ebenfalls bis 1924 in der Vorstadt 14 gemeldet. Wann Maria in die Bietigheimer Straße 1 umgezogen ist wissen wir nicht. Zumindest 1933 hat sie dort schon gewohnt, denn sie bittet die Stadt um Unterstützung. In dem Schreiben erwähnt sie, dass sie bei Mattes & Lutz (Trikotfabrik) 10 RM im Monat verdient. Wovon sie schon 9 RM Miete zu bezahlen hätte. Letztendlich musste die Ortsfürsorgebehörde Besigheim Maria unterstützen.

Im Oktober 1937 weist der Besigheimer Arzt Dr. Rieth Maria in die Heilanstalt Weinsberg ein. Bereits 1921 war sie von Februar bis Dezember stationär in der Tübinger Nervenklinik. Wie es Maria in den dazwischen liegenden Jahren gesundheitlich wohl ging? Wer hat sich um sie gekümmert? Hatte sie Freunde? Vater und Mutter waren tot. Geschwister hatte sie in Besigheim auch keine mehr. Ihre beiden Schwestern waren in Heilbronn, bzw. in Eppingen verheiratet. Ihr Bruder Johann Gottlieb wohnte in Spiegelberg. Ihr Bruder Jakob war seit 1924 verschwunden. Seine Ehe wurde geschieden, weil er nicht mehr auffindbar war.

Sowohl in der Tübinger Nervenklinik als auch in der Heilanstalt Weinsberg wird die Diagnose Schizophrenie gestellt.

Dem Krankenblatt der Weinsberger Heilanstalt entnehmen wir, dass sie ledig und evangelisch ist. Dass sie schon 19 Jahre krank und Verpflegungsklasse III sei. Dass sie keinen Beruf hat und die Eltern gestorben seien. Bei einer Körpergröße von 155 cm wog sie 50 kg. Die Augenfarbe war graublau, die Haarfarbe braun und die Hautfarbe blass. Als Degenerationszeichen werden die „stark beharrten Beine" angegeben.

Am 19. August 1940 geht ein Transport von 54 Frauen von Weinsberg nach Grafeneck. Maria ist dabei. Noch am selben Tag wird sie in Grafeneck vergast.

Quelle:

[1] Stolpersteine Besigheim, https://stolpersteineinbesigheim.jimdo.com, [Stand 30.01.2018]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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