Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


gehörte der Minderheit der Jenischen an. Seine Mutter Anna Lossa starb 1933, als er vier Jahre alt war. Sein Vater Christian Lossa wurde von den Nationalsozialisten als „Zigeuner“ verfolgt und 1939 in das Konzentrationslager (KZ) Dachau gebracht. Sein Vater starb nach unterschiedlichen Berichten im KZ Mauthausen oder im KZ Flossenbürg. Ernst Lossa und seine zwei Schwestern wurden in einem Kinderheim in Augsburg-Hochzoll untergebracht. Ernst Lossa beging dort in der Schule einige Diebstähle. Am 15. Februar 1940 kam Ernst Lossa wegen „Unerziehbarkeit“ in das Jugenderziehungsheim Indersdorf bei Dachau, wo ihm unter anderem weitere, zahlreiche Diebstähle vorgehalten wurden. Es wurde von Dr. Katharina Hell von der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie in München ein psychiatrisches Gutachten erstellt, in dem es zusammenfassend hieß, dass es sich bei Lossa „zweifellos um einen an sich gutmütigen, aber völlig willenlosen, haltlosen, fast durchschnittlich begabten, triebhaften Psychopathen“ handele.[12] „Er wird bei seiner starken Triebhaftigkeit voraussichtlich nicht wesentlich gebessert werden können“. Als „Degenerationszeichen“ wurde im Gutachten die Längengleichheit von Ring- und Zeigefinger der rechten Hand notiert. Enst Lossa wurde daraufhin am 20. April 1942 zwangsweise in die Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren eingewiesen. Dort verhielt er sich weiterhin auffällig und unangepasst, wurde aber nach späteren Aussagen von Mitarbeitern der Heil- und Pflegeanstalt auch geschätzt, weil er liebenswürdig und hilfsbereit war. Er versuchte öfter, hungernden Kranken Nahrungsmittel zu geben, die er zuvor gestohlen hatte. Lossa wurde am 5. Mai 1943 in die Zweiganstalt Irsee verlegt, wo er am 9. August 1944 mit der „Giftspritze“ ermordet wurde. In seinem Leichenschauschein wurde als „Grundleiden“ „Asocialer Psychopath“ eingetragen, unter „Todesursache“ „Bronchopneumonie“ und als Sterbeort Anstalt Irsee. Ausgestellt wurde der Leichenschauschein durch den stellvertretenden ärztlichen Leiter von Kaufbeuren und Oberarzt von Irsee, Dr. Lothar Gärtner.
In seiner Zeugenaussage erklärte ein Krankenpfleger später, dass er sich geweigert habe, Lossa mit Luminal totzuspritzen. Er habe danach beobachtet, wie die Krankenpflegerin Pauline Kneißler Lossa im Beisein von Dr. Valentin Faltlhauser und vom Verwaltungsleiter Josef Frick eine Spritze verabreichte, wobei Lossa eingeredet wurde, es sei eine Impfung gegen Typhus. 

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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