Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


DambachAugust Friedrich Dambach wird am 13.12.1906 als Sohn der Eheleute Johann Aquilin Dambach und seiner Ehefrau Johanna geb. Winkler in Würzburg geboren. Die Familie wohnt in Rottenbauer Nr. 34, heute Schulzenstr. 5. August Dambach hat sieben Brüder, Willi geb. 1903, Hans geb. 1904, Gregor geb. 1908, Phillip geb. 1912, Eugen geb. 1914, Roman geb. 1916 und Erwin geb. 1922.
Eine Cousine (Jg. 1919) August Dambachs erinnert sich: "Der August war ein großer, kräftiger junger Mann. Er konnte allerdings nicht richtig laufen, nur auf den Zehenspitzen. Ganze Sätze waren auch schwierig für ihn. Meistens ist er neben oder im Friedhof herumgelaufen oder war dort auf einer Steinbank gesessen, oft zusammen mit seinem jüngeren Bruder. Eine Würzburger Gärtnersfrau, die Frau Berger, ist jede Woche nach Rottenbauer gekommen und wenn sie ihn gesehen hat, schenkte sie ihm immer eine Tomate. Eine wirklich gute Frau. Die Fuhrwerke hat er beobachtet, wenn sie durchs Dorf gefahren sind und die Bauern, die zum Feld gelaufen sind, haben ihn beiläufig kurz angesprochen. Irgendwann hieß es dann, die Nazis haben ihn geholt. Die Asche soll angeblich in einer streichholzgroßen Schachtel seiner Mutter geschickt worden sein. Der Pfarrer hat getobt und in der Kirche hat er öffentlich von einem Verbrechen, von Mord gesprochen." Soweit die Erinnerungen der Cousine heute. Andere Familienmitglieder meinen sich zu erinnern, dass in der Familie darüber gesprochen wurde, August habe als Kind eine Hirnhautentzündung gehabt und sei als Folge davon behindert gewesen.
Nach dem Tod des Vaters im Oktober 1936 wird August kurz nach seinem 30. Geburtstag in die Psychiatrische Klinik Würzburg eingeliefert. Am 27. März 1937 geht von der Psychiatrie in Würzburg ein Ersuchen um Aufnahme an die Heil-und Pflegeanstalt Lohr. In einem Schreiben vom 30. März 1937 teilt die Heil- und Pflegeanstalt Lohr dem Ortsfürsorgeverband mit, dass August Dambach am 27. März aufgenommen wurde und er geisteskrank und anstaltsbedürftig sei.
Die Mutter Johanna Dambach lebt mit den jüngeren Söhnen zu dieser Zeit in Rottenbauer im Haus Nr. 85 1/2, der heutigen Rebenstr. 2. Drei ihrer älteren Söhne fallen später im Krieg. Bis zu ihrem Tod 1958 lebt sie noch hier in der Rebenstraße 2.
Am 30. März 1937 gibt die Mutter ihre Zustimmung, dass ihr Sohn in der Heil- und Pflegeanstalt Lohr in die III. Verpflegungsklasse eingestuft wird. Der Landesfürsorgeverband Unterfranken übernimmt die Kosten. Dreieinhalb Jahre später am 05. Oktober 1940 ergeht Mitteilung an den Landesfürsorgeverband Unterfranken, dass August Friedrich Dambach nach Pirna-Sonnenstein in Sachsen verlegt wurde.
Die Unterlagen der kath. Pfarrei St. Josef Rottenbauer gingen nach der Eingemeindung Rottenbauers an das kath. Matrikelamt Würzburg. Im Taufmatrikelbuch des August Friedrich Dambach findet sich eine Anmerkung: "+20.10.1940 zu Sonnenstein b. Pirna in Sachsen. Verbrannt auf höhere Anordnung von Berlin. Er war gelähmt und war zuerst untergebracht in Lohr a. Main im Sanatorium, wurde von dort mit vielen anderen weggebracht nach Sachsen, weil nach Lohr Kranke aus Werneck kamen."
Als Todesursache wurde aus der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein den Angehörigen Grippe und Kreislaufschwäche mitgeteilt und das Todesdatum 20. Oktober 1940. Vermutlich wurde August Dambach aber gleich nach Ankunft des Transports in Pirna-Sonnenstein wie alle anderen Patienten in der Gaskammer ermordet.

Regine Samtleben

Quelle:

[1] Stolpersteine Würzburg, http://www.stolpersteine-wuerzburg.de [Stand 30.01.2019]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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