Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Elfriede Jansen wurde als Tochter des Ehepaares Bernhard und Bernhardine Jansen in Osnabrück geboren. Das Ehepaar zog kurz nach der Hochzeit, die sie Ende 1899 in Merzen feierten, nach Osnabrück. Die Familie war katholisch, der Vater arbeitete als Postschaffner. Elfriede wurde als fünftes von sechs Kindern kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges geboren. Das jüngste Kind, ein Bruder, kam zwei Jahre später zur Welt. Elfriede Jansen wurde mit 25 Jahren, am 29.07.1939, in die Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück eingewiesen. Sie war unverheiratet und wohnte bei ihren Eltern in der Spichernstr. 23. Der Vater, zum Oberpostschaffner befördert, war mittlerweile im Ruhestand. Warum sie nicht im Rahmen der so genannten "T4 Aktion" im Frühjahr 1941 in die Tötungsanstalten deportiert wurde, wie zahlreiche andere Patienten der Heil- und Pflegeanstalt, ist unbekannt. Die relativ offen stattfindende „Aktion T4“ wurde am 24. August 1941 gestoppt (Klee, S. 339). Die Morde wurden jedoch in verdeckter Form weitergeführt, zum Beispiel durch bewusste Unterernährung oder die Gabe von hochdosieren Medikamenten. Wurden die Patienten in andere Anstalten verlegt, erhielten die Angehörigen im Nachgang eine Benachrichtigung.

Etwa zwei Jahre lang lebte Elfriede Jansen in der Heil- und Pflegeanstalt in Osnabrück am Gertrudenberg. Dann wurde sie am 18.09.1942 mit einem Transport von insgesamt 20 Frauen nach Hildesheim verlegt. Die Angehörigen dieser Frauen bekamen am 22.09.1942 eine Benachrichtigung mit folgendem Wortlaut zugeschickt: "Auf Veranlassung des Herrn Oberpräsidenten (Verwaltung des Provinzialverbandes) in Hannover ist ihr (Pflegling, Schwester, Tochter usw.) - Name -, am 18. ds. Mts. von hier in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim verlegt worden. Sie sollen sich in Zukunft wegen Auskunft über die Kranke nach dorthin wenden. Heil Hitler! Dr. Kracke". Aus der Anstalt Hildesheim waren bereits 1941 Patienten in verschiedene Tötungsanstalten deportiert worden, da ein Teil der Anstalt zum Lazarett umgewandelt wurde. 1943 musste nun ein weiter Teil geräumt werden, denn die Schutzstaffel "Germania" wollte dort eine SS-Schule einrichten. Deshalb wurden mindestens weitere 120 Menschen nach Uchtspringe, Altscherbitz und Pfaffenrode verlegt. Darunter auch Elfriede Jansen. Mit 64 anderen Frauen wurde sie am 13.04.1943 von Hildesheim nach Altscherbitz gebracht. Nach dreieinhalb Monaten Aufenthalt starb Elfriede Jansen am 30.07.1943. Auch in Altscherbitz starben Patienten an Unterernährung oder hochdosierter Medikamentengabe. Als Todesursache wurde im Totenschein "Erschöpfung nach Erregungszuständen" angegeben (Hirschinger). Elfriede Jansen wurde nur 29 Jahre alt. Sie wurde am 02.08.1943 auf dem Anstaltsfriedhof Altscherbitz begraben.

Quelle:

[1] http://service.virtuos.uni-osnabrueck.de [Stand 06.04.2016]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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