Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Erich Korepka wurde am 23. August 1941 in Berlin geboren. Es handelte sich um eine Zwillingsfrühgeburt; sein Bruder starb bereits wenige Wochen nach der Geburt. Erichs Mutter war nicht verheiratet, sie arbeitete als Buffetfräulein in einer Bahnhofswirtschaft; der Vater lebte offenbar nicht in Berlin; er starb Ende 1942 in München. Beide Eltern sprachen polnisch als Muttersprache, lebten und arbeiteten aber schon seit einiger Zeit in Berlin.
Da die Mutter den schwachen, pflegebedürftigen Säugling nicht bei sich behalten konnte, kam Erich zunächst in das Waisenhaus in Berlin-Kreuzberg; da er sich nicht altersgemäß entwickelte, verlegte man ihn später zur Beobachtung in das Städtische Säuglingsheim in Berlin-Blankenburg.
Aus der Krankengeschichte geht hervor, dass er bereits im Waisenhaus an einer Mittelohrentzündung und einer Reihe anderer Infekte gelitten hatte, die sein Gedeihen beeinträchtigt hatten. Ende 1942 resümierte der Arzt des Säuglingsheims die Symptome: „Obgleich das Kind bereits 1 ½ Jahre alt ist, reagiert es überhaupt nicht auf die Umgebung, greift nicht, lacht nicht, sitzt nicht.“
Erst bei der Obduktion nach seinem Tod stellte sich heraus, dass Erich in dieser Zeit auch eine unbemerkt gebliebene Gehirnentzündung durchgemacht haben muss. Am 11. Februar 1943 wurde Erich vom Jugendamt Berlin-Mitte der Nervenklinik für Kinder „Wiesengrund“ in Berlin-Reinickendorf überwiesen. In der Klinik sollten Art und Ursache des Leidens geklärt werden; außerdem erwartete
man Empfehlungen zur Weiterbehandlung und geeigneten Unterbringung, da Erichs Mutter sich nicht in der Lage sah, das Kind dauerhaft zu sich zu nehmen. Im „Wiesengrund“ stellte man bei Erich eine „schwere Entwicklungsstörung auf Grund eines organischen Hirnschadens“ fest. Er war außerdem mangelhaft ernährt und „körperlich hinter dem Alter zurück“. Aus den Pflegeberichten geht hervor, dass er sehr unruhig war und immer wieder Fieber hatte. Häufig bekam er deshalb Beruhigungsmittel verabreicht, so dass er apathisch in seinem Bett lag und kaum zum Essen zu bewegen war.
In einem abschließenden Gespräch mit dem leitenden Arzt Ernst Hefter erklärte sich die Mutter mit allen eventuell notwendig werdenden ärztlichen Maßnahmen von vornherein einverstanden, zeigte aber kein weitergehendes Interesse an ihrem Kind.
Wohl auf der Grundlage dieses Gesprächs und auf Grund der Untersuchungsbefunde wurden Anfang März 1943 alle diagnostischen und therapeutischen Bemühungen für Erich eingestellt. Am 13. März 1943 wurde er dem sogenannten Reichsausschuss zur Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden zur Begutachtung gemeldet. Da die Gutachter seine Entwicklungsaussichten negativ beurteilten, wurden die Ärzte der Kinderfachabteilung im „Wiesengrund“ ermächtigt, Erich zu töten. Zunächst aber wurde der als „lebensunwert“ abqualifizierte Junge noch in eine kostengünstigere Pflegestufe eingewiesen; um in den Monaten bis zu seinem Tod im Mai 1943 ohne Wissen der Mutter für Tuberkuloseimpfversuche missbraucht zu werden. Im Verlauf dieser Versuche entwickelte sich ein riesiger Abszess in seinem Oberschenkel, an dem der Junge bis zu seinem Tod schrecklich litt. Am 4. Mai 1943 starb Erich Korepka in der Klinik „Wiesengrund“ „im Zuge allgemeiner Abzehrung“.

 

Biografie erarbeitet von Thomas Beddies

Quelle:

[1] https://www.gedenkort-t4.eu/de/biografien/23-08-1941-04-05-1943-erich-korepka-berlin [Stand 30.09.2015]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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