Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Frieda Auguste Zorn wurde am 23. März 1885 als älteste Tochter von Lina und Wilhelm Wiepkes in Bendeleben geboren. Das Ehepaar hatte im Jahr zuvor geheiratet. Wilhelm Wiepkes war Packmeister, und stammte aus einem Dorf in Ostfriesland, beide waren evangelisch lutherisch und ließen ihre Kinder ebenso taufen. Am 1. Oktober 1892 zog die Familie mit den Kindern Frieda 7 Jahre, Albert 3 Jahre und dem 4 Monate alten Wilhelm nach Osnabrück/Schinkel. Hier wurden noch drei weitere Geschwister geboren: Schwester Auguste, als Frieda zehn Jahre alt war und Schwester Amalie, die nur ein Jahr alt wurde, drei Jahre später; als die jüngste Schwester Margarete geboren wurde, war Frieda 18. Jahre alt.

Frieda heiratete am 12. Januar 1907 mit 22 Jahren den ein Jahr älteren Diedrich Zorn. Das Paar blieb im Schinkel und zog zur Bremerstr. 50. Diedrich kam aus Bremen und arbeitete als Hilfsschaffner. Das Paar bekam zusammen drei Kinder, Karl, Wilhelm und Lina. Frieda Zorn und ihre Familie wohnten vom 3. Januar 1929 bis zum 30. Oktober 1939 in der Natruper Straße 147a in einem kleinen Reihenhaus mit Vorgarten. Nach gut fünfmonatigem Aufenthalt des Ehepaares Zorn in Karlsbad (Wehedizstraße 146) - Frieda war inzwischen Mitte fünfzig, ihre Kinder erwachsen - kehrten sie am 21. Mai 1940 nach Osnabrück zurück. Hier waren bis Oktober 1940 nicht weniger als vier Meldeadressen zu verzeichnen, bevor das Ehepaar in die Johann-Sebastian-Bach Straße 9 einzog, die letzte freiwillig gewählte Wohnung von Frieda Zorn.

Frieda wurde am 25. Juli 1941 "polizeilich" in die Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück "eingewiesen". Nach etwas mehr als einem Jahr Aufenthalt in der Osnabrücker Anstalt wurde sie am 18. September 1942 mit insgesamt 20 Frauen nach Hildesheim verlegt. Der zu diesem Transport erhalten gebliebenen Akte ist zu entnehmen, dass die Angehörigen erst nach der Verlegung über diese benachrichtigt wurden. Alle Benachrichtigungen vom 22. September 1942 lauten gleich: "Auf Veranlassung des Hern Oberpräsidenten (Verwaltung des Provinzialverbandes) in Hannover ist ihr [Pflegling, Schwester, Tochter usw. - Name -], am 18. ds. Mts. von hier in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim verlegt worden. Sie sollen sich in Zukunft wegen Auskunft über die Kranke nach dorthin wenden. Heil Hitler! Dr. Kracke"

Frieda Zorn wurde von Hildesheim im zweiten Transport am 13. April 1943 mit 65 Frauen nach Altscherbitz gebracht. In Altscherbitz fielen den NS-Euthanasieverbrechen insgesamt 2.862 Patienten zum Opfer. Über 1.800 der Opfer wurden von dort im Rahmen der Aktion T4 in die Tötungsanstalten nach Bernburg oder Brandenburg deportiert. Frieda Zorn starb am 19. Mai 1943 in Altscherbitz. Als Todesursache wird in der Totenliste der Anstalt "körperliche Erschöpfung" angegeben. Sie wurde nach Osnabrück zur Erdbestattung überführt. Dies war möglich, da ihr Mann dies veranlasste und bezahlen konnte. Frieda Zorn wurde 58 Jahre alt.

Quelle:

[1] http://www.bszw.de [Stand 06.04.2016]

[2] http://service.virtuos.uni-osnabrueck.de [Stand 06.04.2016]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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