Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


geb. 1918 in Burgberg im Allgäu, Krs. Sonthofen - getötet 1944 Heil-und Pflegeanstalt Irsee

Walburga Kessler wurde gegen Ende des 1. Weltkriegs am 09. Oktober 1918 in Burgberg im Allgäu, Krs. Sonthofen, Königreich Bayern geboren. Sie war die Tochter von Adolf Keßler (1883-1965) aus Sonthofen und der Julianna (Juliana) ''Julie'' Keßler geborene Schmid (1884-1928) aus Burgberg (Allgäu).

In den Jahren 1909 bis 1913 kamen die ersten drei ältesten Geschwister (Rosa, Katharina, Leopold) von Walburga in Sonthofen und in Burgberg zur Welt. In den folgenden Jahren 1919 und 1921 wurden zwei weitere Geschwister (Josef und Juliana) geboren. Walburga wird im Elternhaus, Haus Nr. 32 in Burgberg geboren und am 10.Okt. 1918 in der St. Ulrich Kirche in Burgberg katholisch getauft. Walburga ist fast 7 Monate alt, als sie am 12.05.1919 das erste mal geimpft wird (Quelle: Impfschein. Impfbezirk Burgberg. Impfliste Nr. 8).

In den Jahren 1919 bis 1928/29 sind keine Informationen vorhanden. Aus Erzählung ist überliefert dass Walburga von Geburt an weder hören noch sprechen und nicht eigenständig laufen konnte und immer von ihrer Mutter getragen werden musste. 1922 stirbt die jüngste Schwester Juliana (Alter 1 Jahr 2 Monate). Im Februar 1928 verstirbt die Mutter ''Julie'' mit 44 Jahren im Krankenhaus in Sonthofen. Walburga ist erst 9 Jahre alt, ihre Geschwister sind 19, 17,15, 8. Der Vater und Witwer ist tätig als Maschinenschlosser. Im Januar 1929, ein Jahr nach dem Tod der Mutter schreibt sich Adolf Keßler mit seinen Kindern in Mittelberg, Kleinwalsertal im Österreichischen Vorarlberg ein. Adolf Keßler (geboren in Sonthofen), wie auch seine Kinder Rosa, Katharina, Leopold, Walburga und Josef die in Sonthofen oder Burgberg geboren wurden, werden in die Heimatrolle der Gemeinde Mittelberg Kleines Walsertal eingetragen. So erhält jedes Mitglied der Familie einen Heimatschein. Der persönliche Heimatscheinvon Walburga wird am 03. Januar 1929 ausgestellt. Grund der Ausstellung und Eintrag: Der Großvater Frz. Leopold Keßler und die Urgroßeltern Joachim und Maria Barbara Keßler stammen aus dem Kleinen Walsertal.

Bis 1938 besitzt die Familie Kessler die Österreichische Staatsangehörigkeit. Am 07.Januar 1929 wird Walburga nach Lochau bei Bregenz, Österreich in das neu eröffnete Jesu Heim gebracht, sie ist in dem Bewohnerbuch eingetragen auch hat Walburga Kessler eine eigene Meldekarte an der Gemeinde Lochau . Am 27.02.1941 wird sie vom DRK aus der ''Anstalt für Unheilbare -Jesuheim-'' in die Gau. Heil-und Pflegeanstalt Valduna in Rankweil, Vorarlberg (Reichsgau Tirol-Vorarlberg) gebracht. In ihrer Krankenakte, Pflegebericht wird geschrieben Diagnose 1 a, Zustandsbild Taub-Stumme- Idiotin.

Von dort wird sie am 24.03.1941 nach Hall transportiert. In der Landes-Heil-und Pflege-Anstalt, Hall, Tirol (Solbad Hall, Tirol) wird Walburga im Kopfzettel für Frauen beschrieben sowie der körperliche und psychische Befund: Idiotie und körperliche Verkrüppelung und als ''Unheilbar'' eingestuft.

Am 22.4.1941 wird sie nach Kaufbeuren überstellt. Nun wird ein Ortspolizeiliches Zeugnis erstellt ( 14.05.1941). Von Kaufbeuren wird sie am 02.09.1941 in die Heil-und Pflegeanstalt Irsee verlegt. So erreichte die Anstalt Irsee ein Brief einer ihrer Schwestern die ihre Schwester, Pflegling ''Wally'' suchte. Die Antwort sie dürfe ihre Schwester Wally besuchen wurde ihr am 18. November 1941 mitgeteilt gezeichnet mit Heil Hitler Stempel Dr. med Lothar Gaertner. Ein Vermerk das Walburga Besuch hatte ist nicht zufinden.

Am 31.07.1944 um 17:15 wird an den Vater von Walburga ein Telegram gesandt worin geschrieben wird: "Walburga lebensgefährlich erkrankt. Besuch kann wegen Infektionsgefahr nicht gestattet werden. Anstalt Irsee." 31.07.1944 stirbt Walburga. Um 19.30 Uhr ( die vorher angegebene Uhrzeit wurde gestrichen) wird an den Vater ein zweites Telegram gesendet: "Walburga gestorben. Beerdigung wegen Ansteckungsgefahr 1. August 9 Uhr in Irsee (vorheriger Satzgestrichen: Beerdigung 3.8.1944 13 Uhr in Irsee). Anstalt Irsee."

In Ihrem Leichenschauschein wird als Todesursache: Herzinsufficilenz angegeben. In der Gewichtsliste von Walburga ist zu lesen das sie Ende Juli 1944 ein Gewicht von 27 ½ kg hatte. Neben der Gewichtsangabe: (Kreuz) d. 31.7.44 18 Uhr. Auf der Krankenakte von Walburga wurde ein rotes Runenzeichen geschrieben welches Exitus bedeutet.

Am 21.03.2014 wurde der Name von Walburga Kessler in den bereits stehenden Gedenkstein an die über 2000 Euthanasie Opfer der Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee (auf dem Gelände des Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren) nachträglich eingraviert.

Erforscht und zusammengestelltv. Matt Kessler (Urgroßneffe)

 

  • Ein Stolperstein erinnert seit dem 01.07.2014 an Walburga an ihrem Geburtshaus in der Alt-Bgm.- Köberle Str. 2 in Burgberg (Allgäu).
  • Ebenfalls erinnert an ihre Ermordung seit dem 14.09.2015 ein Stolperstein am Kloster Irsee.
  • Im Dezember 2015 wurde zusätzlich eine Gedenkseite an Walburga Kessler eingerichtet.
  • Seit 2014 ist auch die Recherche und das Schicksal von Walburga Keßler auf Gedenkort T4 nachzulesen.

 

Nachwort des Verfassers:

Ich betreibe seit 1999 Ahnen-Familienforschung und seit dem setze ich mich auch mit dem Schicksal meiner Urgroßtante auseinander. So beginnt die Forschung in Sonthofen (Allgäu), Bayern. In Sonthofen lernten sich 1946 meine Großeltern (Sgt.) Thomas O.E. McCallum (1923-1990) aus South Carolina und Inge A. geborene Keßler (1930-2008) aus Sonthofen kennen. Mein Großvater war auf der ehemaligen NS Ordensburg Sonthofen stationiert (US Army Contsabulary School). Mit Namen, Orten, Daten fing ich an zu forschen.

In jeder Familie gibt es Geschichten und so behielt ich eine Erzählung einer Verwandten von mir, die in jungen Jahren nach Lochau kam. Es muss mir sehr wichtig gewesen sein, daß ich dies behalten habe Auf meiner genealogische Reise, traf ich auf ein kleines Mädchen, ich lernte ihren Lebens- und Leidensweg kennen bis zu Ihrem Ermordung. Dieses war die Tante meiner Großmutter Inge, die mir berichtete dass sie ihre Tante Walburga in Lochau vor 1941 einmal besuchte.

2015 fand auch noch eine Dokumentation ''Alles Kranke ist Last'' die Originalaufnahmen zeigt aus den Jahren 1940 und 1941. Ein NS Kamera Team filmte in der Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee und meine Urgroßtante ist zu erkennen und so ist dieses Mädchen eine junge Frau die für mich 3 Sekunden lebendig wurde und ihr Schicksal noch lebendiger.

Quelle:

[1] persönliche Übersendung der Lebensgeschichte durch Matt Kessler [Stand 01.04.2016]

externer LinkDie Opfer

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit dem Ziel der Vernichtung „lebensunwertes Leben“ mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, mehr als 300.000 weitere starben in den „Euthanasie“-Programmen.

Hier finden sich einige der oft kurzen Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der Euthanasie. Es sind erschütternde Berichte, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert von Journalisten, Historikern und zunehmend auch Angehörigen im Rahmen der Familienforschung.

Jede einzelne Geschichte ist es Wert, gelesen zu werden, denn hinter ihnen steckt das Schicksal von Menschen, die gequält und ermordet wurden. Die Geschichten geben stellvertretend auch den vielen anonymen Opfern ein Gesicht.

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