Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Die Aktion Brandt war ein nationalsozialistisches Programm im Deutschen Reich, das ab etwa 1943 dazu diente, Bettenplätze für Ausweichkrankenhäuser und Lazarette in Heil- und Pflegeanstalten in nicht vom Luftkrieg bedrohten Regionen zu schaffen. Um dort Betten freizumachen, verlegte man einen großen Teil der vorhandenen Insassen in andere Anstalten. In einigen dieser Anstalten kamen viele auf Grund von Überbelegung und absichtlichem Vernachlässigen zu Tode, in anderen Anstalten wurden die verlegten Insassen gleich in großem Maßstab ermordet. Der Grund für diese Verlegungsaktion war, dass das nationalsozialistische Gesundheitswesen auf den langen Krieg nicht vorbereitet gewesen war. Es fehlten Krankenhausbetten wegen der hohen Anzahl der verwundeten Soldaten, zudem zerstörten die alliierten Bombenangriffe in zunehmendem Maß die medizinische Infrastruktur in großen Städten. Die nach dem Bevollmächtigten für das Sanitäts- und Gesundheitswesen Karl Brandt benannte Aktion trat damit teilweise die Nachfolge der Aktion T4 an.

Der Begriff „Aktion Brandt“ geht auf den Historiker Götz Aly zurück, der 1985 vermutete, Brandt habe im Juli 1943 dem Leiter der Zentraldienststelle T4, Paul Nitsche, einen neuen Auftrag zur Ermordung von Patienten erteilt. Ältere Veröffentlichungen gingen nicht von einer zentralen Lenkung der Krankenmorde aus und benutzten häufig den Begriff „wilde Euthanasie“. Mehrere nach 1985 entstandene Regionalstudien zeigten auf, dass die Krankenmorde nach Ende der Aktion T4 nicht alleine auf eine zentrale Lenkung zurückgeführt werden können und betonen die Bedeutung regionaler Initiativen. Der Historiker Winfried Süß benutzt den Begriff „regionalisierte Euthanasie“.

Ende Juni 1943 wurden erste Anstalten im Rheinland "geräumt", was sich schnell auf Westfalen sowie die Städte Hamburg und Berlin ausdehnte. Für die Methode zur Tötung der in andere Anstalten verlegten Geisteskranken hatte Hermann Paul Nitsche, der bereits bei der Aktion T4 als Obergutachter fungierte, schon 1940 das sogenannte „Luminalschema“ entwickelt. Eine leichte Überdosierung dieses Schlafmittels sollte die Verlegungspatienten unauffällig töten.

Eine weitere Möglichkeit zur Ermordung von Geisteskranken bestand darin, diesen eine speziell dosierte Hungerkost – in Kaufbeuren-Irsee als „E-Kost“ bzw. „Euthanasie-Kost“ bezeichnet – zu verabreichen, die - noch verstärkt durch vernachlässigte Pflege und ungeheizte Räume - in einem vorhersehbaren Zeitraum zum gewünschten Verhungern der Patienten führte.

Ähnlich wie bei der Aktion 14f13 lässt sich auch für die Aktion Brandt die Zahl der Opfer nicht genau bestimmen, da viele Tötungen als solche weder erkennbar waren noch als solche registriert wurden. Im Gegensatz zur Aktion T4 sind statistische Unterlagen nicht erhalten geblieben. Geschätzt werden mindestens 30.000 Opfer. Zu den Opfern zählen Ernst Lossa und Marianne Schönfelder.

Auch die Aktion Brandt stellte eine Folge und zugleich eine Steigerung der nationalsozialistischen Grundauffassung dar, wonach „lebensunwertes Leben“ zugunsten der Gesunden zu vernichten sei. Darunter fielen aufgrund der Kriegsbedürfnisse nunmehr nicht nur unheilbar Kranke oder Erbkranke, sondern ganz generell alle unproduktiven oder aus sonstigen Gründen unerwünschten Menschen, so dass – wie schon bei der Aktion 14f13 – auf eine besondere Begründung für deren Tötung verzichtet wurde. Die für die Luftkriegsopfer benötigte zusätzliche Bettenkapazität diente lediglich als äußerer Anlass für eine in der inneren Logik liegenden, radikalisierten Fortentwicklung der NS-Ideologie, die mit Zwangssterilisierungen begann, mit der Tötung von Geistes- und Erbkranken fortgesetzt wurde und mit der Vernichtung aller für die „Volksgemeinschaft“ nicht Brauchbaren endete.

Quelle: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Brandt [25.08.2015]

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