Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


In seinem ‚Werk’ ‚Mein Kampf’ propagierte Hitler bereits 1924: „Er [der völkische Staat] muss dafür Sorge tragen, dass nur wer gesund ist, Kinder zeugt, dass es nur eine Schande gibt: bei eigener Krankheit und eigenen Mängeln dennoch Kinder in die Welt zu setzen […]". Deutlicher wurde er 1929 als er auf dem NSDAP-Parteitag in Nürnberg erklärte: „[…] würde Deutschland jährlich eine Million Kinder bekommen und 700.000 bis 800.000 der Schwächsten beseitigt, dann würde am Ende das Ergebnis vielleicht sogar eine Kräftesteigerung sein.“

Die NSDAP, Adolf Hitler selbst und all seine redenden Paladine ließen die Bevölkerung in keinster Weise im Unklaren, welcher Gesinnung sie waren, wenn es um die ‚Schwächeren’ der Gesellschaft geht. Mit dem Elass des "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" schafften die Nationalsozialisten bereits wenige Wochen nach ihrer Machtergreifung 1933 die Grundlage für die Massenvernichtung von körperlich und geistig Kranken.
In dem Gesetz hieß es: "Wer erbkrank ist, kann unfruchtbar gemacht werden, wenn nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dass seine Nachkommen an schweren körperlichen und geistigen Erbkrankheiten leiden werden."

Wer waren diese so genannten ‚Kranken’, die es für die Nationalsozialisten nicht ‚wert’ waren sich fortzupflanzen? Als ‚Schädlinge’ der Gesellschaft zählten unter anderen die umherziehenden Armen und Bettler, da sie sich nicht ‚produktiv’ am Arbeitsprozess beteiligten. Sie wurden in Konzentrationslager eingewiesen und mussten dann eine ‚Massensterilisation’ über sich ergehen lassen. Die ‚Reinigung’ des so genannten ‚Volkskörpers’ ging noch weiter: Hilfsschüler wurden zwangssterilisiert; ebenso Epileptiker; Alkoholiker; psychisch Kranke, soweit sie als arbeitsfähig galten; sowie ‚Minderwertige’ im Allgemeinen. Um diesem Treiben einen rechtmäßigen Anstrich zu verleihen, wurden ‚Erbgesundheitsgerichte’ zur Begutachtung eines Sterilisationsverfahrens installiert, beteiligt daran waren Mediziner und Juristen mit ihrer entsprechen Begleitung. Die Klassifizierung der ‚Minderwertigkeit’ eines Menschen gab den entscheidenden Kräften einen weiten Spielraum in ihrer Entscheidungsgewalt. So traf solche Verfahren auch Blinde, Taube, Sprachgestörte und chronisch Kranke. Im Zuge der Zwangssterilisationen gab es auch Schwangerschaftsabbrüche, die ‚minderwertige’ Frauen in hohem Maße betraf.Stimmen des Mitgefühls für diese Menschen, wenn es sie denn gab, galten als ‚schwach’ und ‚gefühlsduselig’.

Sobald die Sterilisierung beim zuständigen "Erbgesundheitsgericht" endgültig verfügt worden war, war "sie auch gegen den Willen des Unfruchtbarzumachenden und falls notwendig durch Anwendung unmittelbaren Zwanges" auszuführen. Insgesamt wurden an die 400.000 Menschen zwangsweise unfruchtbar gemacht.

Im ehemaligen Österreich trat das Gesetz am 1. Januar 1940 in Kraft. Schätzungen gehen von 6.000 - 10.000 Zwangssterilisierten in Österreich aus.

Bei den Anträgen an die Erbgesundheitsgerichte hat sich Salzburg offenbar besonders hervorgetan. Im Jahr 1940 wird in einem vertraulichen Schreiben beklagt, dass im ersten halben Jahr seit dem Inkrafttreten des Gesetzes "Wien mit 13 Sterilisationsanträgen weitaus an letzter Stelle der Ostmark steht."  Salzburg nahm mit 52 Anträgen die "Spitzenposition" in der Statistik ein. (Quelle: DÖW). Dokumentiert sind ca. 30 im Landeskrankenhaus durchgeführte Zwangssterilisierungen der Landesheilanstalt Salzburg. Genaue Zahlen für das Bundesland Salzburg fehlenjedoch. Medizinhistoriker gehen bei den an Frauen durchgeführten Zwangssterilisierungen von einer Todesrate von über 1 % aus.

Ausschließlich von Seite der katholischen Kirche kam Widerstand gegen die Zwangssterilisierungen. Die Bischöfe hatten jegliche Mitwirkung von katholischen Krankenschwestern und Ordensleuten bei der Durchführung von Operationen zur Unfruchtbarmachung abgelehnt.

Qulle: http://sunday-news.wider-des-vergessens.de/?tag=arthur-gutt [Stand 08.08.2015]

Aussagen von Sterilisationsopfern

"Nachdem ich wieder gesund war, hielt ich es für ein Unrecht, daß man mich zu lebenslanger Unfruchtbarkeit verurteilt hat, nur weil ich einmal 83 Tage lang in einer Nervenklinik behandelt wurde. Mit der ärztlichen Diagnose Schizophrenie war ich schon ausreichend bestraft. Das Wertvollste, was ein Mensch außer seinem eigenen Leben besitzt, die Möglichkeit sich fortzupflanzen, wurde mir durch das Urteil genommen. Ich musste mich damit abfinden. […] Im Dritten Reich durfte ich keine gesunde Frau heiraten und habe durch Zufall eine sterilisierte Frau kennengelernt."
(Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten e. V. (Hg.): Ich klage an, Detmold 1989, S. 20f.)

 

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