Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Idendität wieder geben.


Veranstalter: Initiative Stolperstein Stuttgart-Vaihingen und AnStifter

Schirmherrschaft: Beate und Serge Klarsfeld, Paris

Veranstaltungsort: Stadtpalais - Museum für Stuttgart, Stuttgart-Mitte, Konrad-Adenauer-Str. 2

weitere Informationen: www.erinnerungswoche.de

 

 

Joe Bauer Journalist, Autor, Spaziergänger:

Das Wort Erinnerung klingt fast schon etwas pflichtschuldig, routiniert. So jedenfalls empfinde ich es, wenn ich als Stadtspaziergänger die Orte der Nazi-Verbrechen aufsuche oder zufällig an ihnen vorbeikomme, manchmal ohne vorher
von ihnen gewusst zu haben.

Da der Rechtsruck nicht nur in unserem Land immer bedrohlicher wird, ist die Gegenwart der Vergangenheit so deutlich zu spüren wie schon lange nicht mehr. Im Lauf der Jahre habe ich gelernt, dass Geschichte am eindrucksvollsten
nachvollziehbar wird in direkter Konfrontation mit ihren Spuren. Es sind nicht in erster Linie die eher abstrakten, fast unvorstellbaren Zahlen von Millionen ermordeter Menschen, die ins Bewusstsein dringen und uns auffordern, etwas
zu tun – demokratische Kräfte und Bündnisse gegen Rassismus und Faschismus zu bilden und zu unterstützen. Eindringlicher wirken auf mich die Orte der Verbrechen, die präzisen Hinweise, was in unserer unmittelbaren Umgebung, vor unserer Haustür geschehen ist. In welcher Straße, in welchem Stockwerk eines Gebäudes an welchem Tag zu welcher Uhrzeit die Henkersknechte der Nazis ihre Opfer abgeholt haben. Wo Menschen gefoltert und ermordet wurden. Bei dem Gedanken daran läuft in diesen echten Kulissen des Grauens im Kopf ein Film, der nach meiner Erfahrung über das hinausgeht, was wir unter Erinnerungskultur verstehen.

Geschichte wird auf diese Art erlebbar, sie fordert von uns Konsequenzen, wenn wir etwa vor der ehemaligen Stuttgarter Gestapo-Zentrale, dem Hotel Silber stehen, in direkter Nachbarschaft von Breuninger, dessen einstiger Firmenchef ein Nazi-Funktionär und Nutznießer der Hitler-Diktatur war.

Auch die unvorstellbare Perversität ideologisch motivierter Verbrechen an Kindern, ihre Folterung und Ermordung im Namen der „Medizin“ werden wir am ehesten erahnen an den Stätten ihres Geschehens, die auch im Jetzt eine
bestürzende Kraft besitzen. Nicht umsonst spricht man von der Psychologie von Orten. Es ist deshalb wichtig, den Spuren der Geschichte und der Täter zu begegnen, um wachsam zu sein und zu bleiben.

Nicht lange her, nach einer Stadttour zu Stätten der Erinnerung an den Nazi-Terror, landete ich im Schlossgarten und dachte: Eines der wichtigsten Mahnmale steht hier vor meinen Augen – das Landtagsgebäude. Dieses Haus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut, und heute sitzen dort mehr rechtsnationale als sozialdemokratische Abgeordnete. Völkische und antisemitische Gesinnungen werden salonfähig. In solchen Momenten der Erinnerung an das Heute fällt mir Erich Kästners berühmtes Zitat ein: „Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten.“

Erinnerungskultur darf nicht den Eindruck erwecken, das Verbrechen sei vorbei und abgeschlossen. Die Erinnerung muss uns die demokratische Pflicht vor Augen führen, in der Gegenwart etwas zu tun. Die Aktion „Schlaf, Kindlein schlaf ...“ ist nicht nur die Aufforderung, nicht zu vergessen. Sie trägt dazu bei, den Schneeball aufzuhalten, bevor er eine Lawine wird.

 

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