Gedenken an die Opfer der NS - Euthanasie
'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist'

Wir wollen so vielen Opfern wie möglich ihre Identität wieder geben.


Domjüch01Am 10.Juli 206 wurde anlässlich des 75. Jahrestages des Abtransportes Domjücher Patienten in die Vergasungsanstalt Bernburg im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Domjüch bei Neustrelitz in Mecklenburg eine Erinnerungs- und Gedenkstätte eröffnet. Initiator ist der Verein zum Erhalt der Domjüch- ehemalige Landesirrenanstalt e.V., der mit dieser Gedenkstätte an die Opfer der Euthanasie und Zwangssterilisationen in der Anstalt Domjüch und im damaligen Kreis Stargard/Mecklenburg erinnern will.

Die Landesirrenanstalt, später Heil- und Pflegeanstalt Domjüch, wurde 1902 als eine der damals modernsten und fortschrittlichsten Heilstätten für psychisch kranke Menschen im Land Mecklenburg errichtet. Es entstand bis in die 30er Jahre auf dem Gelände dieser Anstalt eine Lebensgemeinschaft von Patienten, Pflegern und Ärzten, die allerdings spätestens 1937 mit den ständigen Neueinweisungen und Verlegungen in und aus der Anstalt zerbrach. Aber schon bereits mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 begann die Diskriminierung psychisch kranker Menschen durch die 1934 beginnenden Zwangssterilisationen auf der Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Zwischen 1934 bis 1945 wurden am zuständigen Erbgesundheitsgericht Neustrelitz in über 400 Fällen eine Zwangssterilisation angeordnet, darunter waren zwischen 1935 und 1941 mindestens 95 Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Domjüch (42 Frauen und 52 Männer).

Im Sommer 1940 erhielt auch die Anstalt Domjüch die berüchtigten Meldebögen der Euthanasiezentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4. Die damaligen Ärzte der Anstalt

Domjüch02Dr. Schmidt und Dr. Hecker schickten 250 ausgefüllte Meldebögen von Patienten an die Zentrale in Berlin zurück. Für ca. 120 Patienten (davon ca. 20 Patienten der ehemaligen Landesanstalt Neustrelitz für psychisch kranke Kriminelle) bedeuteten diese Meldebögen der Tod in der Vergasungsanstalt Bernburg. Am frühen Morgen des 11.Juli 1941 fuhren die grauen Bussen der DEKRAT mit den ca. 100 Patienten der Anstalt Domjüch zum Bahnhof Altstrelitz, um von hier aus, vermutlich auf direkten Weg, nach Bernburg zu fahren, wo sie noch am gleichen Tag in der Gaskammer starben.

Im Jahre 1943 wurde die Heil- und Pflegeanstalt aufgelöst und in einer Tuberkulose- heilanstalt umgewandelt. 185 Patienten der Anstalt Domjüch werden im April und Mai 1943 in die Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg bei Schwerin verlegt. Der größte Teil von ihnen wird den Aufenthalt in Sachsenberg nur wenige Monate überleben. Nach neueren Forschungen sind in der Anstalt Sachsenberg im Rahmen der Euthanasie mehr als 1000 Menschen getötet worden.

Der Verein zum Erhalt der Domjüch-ehemalige Landesirrenanstalt e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die Opfer dieser Euthanasieverbrechen, die auch um die Domjücher Anstalt keinen Bogen machten, wach zu halten. Im Mittelpunkt stehen hier die Ermittlung der Namen der Opfer und die Information von Angehörigen. Von 60 Euthanasieopfern des Transportes vom 11.07.1941 sind derzeit die Namen und teilweise die Lebensgeschichten bekannt. Weitere Opfernamen sind aus vorhandenen Krankenakten, die in der ehemaligen Anstalt Sachsenberg erhalten geblieben sind, bekannt. Das zweite wichtige Ziel der Erinnerungs- und Gedenkstätte ist eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Projektarbeiten mit Jugendlichen, Publikationen), um möglichst vielen Menschen dieses dunkle Kapitel der über 40jährigen Anstaltsgeschichte näher zu bringen.

Quelle:

[1] Beitrag eingereicht von Reinhard Simon [Stand 26.01.2017]

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